Der Fuchs als “Nützling”
Inhalt
- Zentrale Punkte
- Füchse und ihr Einfluss auf die Lyme-Borreliose beim Menschen
- Der Fuchs als “Nützling” in der Landwirtschaft
- Ökosystemare Leistungen des Fuchses
Zentrale Punkte
- Wo Füchse und andere mäusevertilgende Beutegreifer zahlreich sind, sinkt der Anteil an Zecken, die Krankheitserreger wie jenen der Lyme-Borreliose in sich tragen. Dadurch sinkt automatisch auch das Infektionsrisiko für den Menschen.
- Füchse halten sich als opportunistische Beutegreifer an leicht verfügbare Nahrung – damit fallen kranke und schwache Beutetiere ihnen zuerst zum Opfer. Auf diese Weise halten sie die Populationen ihrer Beutetiere gesund.
- Ein Fuchs vertilgt im Laufe eines Jahres rund 3.000 Mäuse und verhindert damit Schäden in der Land- und Forstwirtschaft. Der Fuchs arbeitet dabei kostenlos und ökologisch verträglich, ganz im Gegensatz zu dem Einsatz von Giften.
- Wo Rehbestände hoch sind, können Füchse durch das Reißen von Rehkitzen zu deren Regulierung beitragen.
Füchse und ihr Einfluss auf die Lyme-Borreliose beim Menschen
Hofmeester, T.R. et al (2017): Cascading effects of predator activity on tick-borne disease risk. Proc. R. Soc. B 284 : 20170453. http://dx.doi.org/10.1098/rspb.2017.0453
- Es wurden 20 Waldgebiete in den Niederlanden mit unterschiedlicher Häufigkeit von Beutegreifern verglichen.
- Es zeigte sich, dass in Gebieten mit hoher Dichte von Füchsen und Mardern signifikant weniger Zecken Erreger der Lyme-Borreliose in sich trugen. Zurückzuführen war dies auf eine gesunkene Befallsrate von Mäusen mit Zeckenlarven – Mäuse sind das Hauptreservoir für den Borreliose-Erreger.
- Zwar zeigte sich kein Einfluss von Füchsen und Mardern auf die Populationsdichte von Nagetieren. Allerdings wirkt sich ihre Anwesenheit auf das Verhalten etwa von Mäusen aus: Wo Beutegreifer zahlreich sind, halten Mäuse sich häufiger im Verborgenen auf und werden so seltener von Zeckenlarven befallen.
Levi, T., Kilpatrick, A.M., Mangel, M., Wilmers, C.C. (2012): Deer, predators, and the emergence of Lyme disease. Proc. Natl Acad. Sci. USA 109, 10942–10947
- Es zeigt sich, dass die Auftretenshäufigkeit von Zecken übertragener Krankheiten beim Menschen in verschiedenen Gegenden der USA negativ mit der Populationsdichte von Füchsen korreliert.
- Die Autoren stellen die Vermutung auf, dass der Einfluss des Fuchses auf kleine Säugetiere wie Mäuse (die als Erregerreservoir für Krankheiten gelten) dazu führt, dass bei hohen Fuchsdichten weniger Zecken Krankheitserreger übertragen.
Ostfeld, R.S., Holt, R.D. (2004): Are predators good for your health? Evaluating evidence for top-down regulation of zoonotic disease reservoirs. Frontiers in Ecology and the Environment. 2(1), 13-20
- Krankheiten, die von Tieren auf Menschen übertragen werden, fordern Jahr für Jahr enormen Tribut. Für viele dieser Krankheiten stellen Nagetiere das primäre Erregerreservoir dar.
- Beutegreifer, die diese Nagetiere jagen, können die menschliche Gesundheit positiv beeinflussen – beispielsweise, indem sie Nagetierpopulation dezimieren.
- Der Artikel gibt einen Überblick über aktuelle Forschungsarbeit in diesem Themenbereich.
Der Fuchs als “Nützling” in der Landwirtschaft
Honisch, M. (2013): Mäuse im Grünland erfolgreich bekämpfen, Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Kempten (Allgäu).
- Mäuse können landwirtschaftliche Schäden von mehreren hundert Euro pro Hektar und Jahr verursachen.
- Ein einziger Fuchs frisst im Jahr etwa 3.000 Mäuse. Füchse sind daher wertvolle Verbündete im Kampf gegen von Wühl- und Schermäusen verursachte Schäden im Grünland
- Die Förderung natürlicher Feinde ist „die billigste und wirksamste Methode“ zur Mäusebekämpfung. Der Fuchs ist der Hauptfeind der Mäuse; Empfehlung: Jagddruck verringern.
Ökosystemare Leistungen des Fuchses
Panzacchi, M. (2007): The ecology of red fox predation on roe deer fawns with respect to population density, habitat and alternative prey. Doctoral Thesis, Norwegian Institute for Nature Research
- Dissertation, im Rahmen derer der Einfluss von Rotfüchsen auf Rehe untersucht wurde. Dabei zeigte sich, dass Füchse dazu beitragen können, hohe Rehpopulationen einzudämmen: In einigen Untersuchungsgebieten ging bis zu 62% der gesamten Rehkitzmortalität auf das Konto von Füchsen; bis zu 25% der Rehkitze landeten im Magen von Füchsen.
- Füchse jagen Rehkitze vor allem, wenn die Rehpopulation hoch ist und kleine Nagetiere wie Feldmäuse eher selten sind. Das macht die Jagd auf Rehkitze für einen opportunistischen Beutegreifer wie den Fuchs profitabel.
Jarnemo, A., Liberg, O. (2005): Red fox removal and roe deer fawn survival – a 14 year study. Journal of Wildlife Management 69(3): 1090-1098
- Die Autoren untersuchten über 14 Jahre hinweg den Einfluss des Rotfuchses auf Rehpopulationen in Schweden. In diesen Zeitraum fiel ein Ausbruch der Staupe, dem viele Füchse zum Opfer fielen, und der die Fuchspopulation vorübergehend stark dezimierte.
- Die Häufigkeit von Füchsen wirkte sich stark auf die Überlebensrate von Rehkitzen aus.
- Prädation durch Füchse machte 88% der Gesamtmortalität von Rehkitzen aus.
*Cancio, I., González-Robles, A., Bastida, J.M., Isla, J., Manzaneda, A.J., Salido, T., Rey, P.R. (2017): Landscape degradation affects red fox (Vulpes vulpes) diet and its ecosystem services in the threatened Ziziphus lotus scrubland habitats of semiarid Spain
- Im Rahmen von Kotanalysen in Südspanien wurde festgestellt, dass der Fuchs zur Verbreitung einer Vielzahl an Pflanzensamen beiträgt.