Fuchsjagd und Räude
Inhalt
- Zentrale Punkte
- Resistenz gegen Räude
- Auftretenshäufigkeit der Räude und Einflussfaktoren für ihre Ausbreitung
- Behandlung von Räude bei Füchsen
Zentrale Punkte
- Die Räude tritt bereits seit vielen Jahrzehnten in europäischen Fuchspopulationen auf. Sie kann die Fuchspopulation regional vorübergehend drastisch dezimieren.
- Nach einem Räudezug steigt die Resistenz einer Fuchspopulation gegen die Räude offensichtlich an, was temporär vor einem erneuten Räudezug schützt.
- Es gibt Hinweise darauf, dass Antigene in einer Population von der Mutter auf die Welpen weitergegebebnen wird.
- Es gibt keinen einzigen wissenschaftlichen Beleg für die immer mal wieder kursierende Behauptung, dass Fuchsjagd die Räude eindämmen könne. Dagegen spricht auch, dass die Jagd überhaupt keinen regulierenden Effekt auf Fuchspopulationen besitzt.
Resistenz gegen Räude
Davidson R.K., Bornstein S., Handeland K. (2008): Long-term study of Sarcoptes scabiei infection in Norwegian red foxes (Vulpes vulpes) indicating host/parasite adaptation. Veterinary Parasitology 156 (3-4)
- Es wurden in einem Gebiet Räudemerkmale bei 363 geschossenen Füchsen untersucht, und zwar im Abstand von ca. 10 Jahren.
- Es zeigte sich, dass die Auftretenshäufigkeit der Räude dramatisch gesunken war und dass die Resistenz der Füchse gegen Räude erheblich angestiegen war.
- Räudezüge führen also offensichtlich dazu, dass die betreffende Fuchspopulation langfristig deutlich stärker gegen die Räude resistent ist.
*Börner, K. (2014): Untersuchungen zur Raumnutzung des Rotfuchses, Vulpes vulpes (L., 1758), in verschieden anthropogen beeinflussten Lebensräumen Berlins und Brandenburgs. Dissertation, Berlin.
- Dissertation über Fuchspopulationen in Berlin und Brandenburg (Populationsdynamik, Nahrungsquellen, Krankheitsgeschehen)
- Stark variierende Befallsintensitäten in Berlin zwischen 5 und 25% in einem 20jährigen Untersuchungsintervall
- Die Untersuchungen weisen darauf hin, dass sich in Populationen, in denen sich der Parasit bereits über viele Generationen etabliert hat, die Sterblichkeitsrate herabgesetzt ist. Möglicherweise kommt es bei diesen Tieren dazu, dass Antigene maternal auf die Jungtiere übergeben werden. Diese Tiere besäßen aufgrund der Immunantwort bei einer Infektion eine höhere Überlebenschance. Zudem könnte durch eine weniger intensive Reaktion auf den Parasiten der Juckreiz verringert und damit das Risiko einer Sekundärinfektion herabgesetzt sein.
Häufigkeit der Räude und Einflussfaktoren für ihre Ausbreitung
Soulsbury C.D., Iossa G., Baker P.J., Cole N.C., Funk S.M. and Harris S. (2007): The impact of sarcoptic mange Sarcoptes scabiei on the British fox Vulpes vulpes population. Mammal Review, 37 (4), 278-296
- Die Räude kann Fuchspopulationen lokal stark dezimieren (bis zu 95%), und es kann 15-20 Jahre dauern, bis die Population sich wieder erholt hat.
- Die Räude ist kein neuzeitliches Phänomen, das mit dem vermeintlichen Anstieg der Fuchspopulation im Zusammenhang steht, sondern tritt schon lange in den verschiedensten Ländern immer mal wieder auf.
- Je höher die Habitatqualität, desto geringer die Auftretenswahrscheinlichkeit der Räude.
Constantin, E.M. (2005): Epidemiologische Untersuchung zur Verbreitung der Räude beim Rotfuchs (Vulpes vulpes) in Baden-Württemberg. Dissertation, Berlin
- In Baden-Württemberg wurde 2005 die bisher umfangreichste Erfassung von Räudefällen in Deutschland vorgenommen. Hier zeigte sich, dass von 2.481 untersuchten Füchsen nur etwa drei Prozent tatsächlich in Kontakt mit Räudemilben gekommen waren. Als Haut und Fell dieser etwa 80 Tiere genauer untersucht wurden, stellte sich heraus, dass nur vier von ihnen tatsächlich äußere Merkmale einer Räudeerkrankung aufwiesen. Hochgerechnet bedeutet dies, dass von 10.000 baden-württembergischen Füchsen etwa 300 räudepositiv waren und gerade einmal 15 von ihnen auch Symptome zeigten.
Carricondo-Sanchez, D; Odden, M; Linnell, J.D.C.; Odden, J. (2017) The range of the mange: Spatiotemporal patterns of sarcoptic mange in red foxes (Vulpes vulpes) as revealed by camera trapping. PLoS ONE 12(4)
- Mit Hilfe von 305 Wildkameras wurde die Prävalenz und spatiotemporale Dynamik der Räude in einem 18000km² großen Untersuchungsgebiet in Norwegen überwacht
- Die Prävalenz der Räude belief sich dabei im Mittel auf 3,15%
- In Zeiten der Nahrungsknappheit (Winter) halten vor allem räudekranke Füchse im fortgeschrittenen Stadium der Krankheit sich mit höherer Wahrscheinlichkeit in der Nähe menschlicher Siedlungen auf
- Sie sind dadurch für Menschen besonders sichtbar, wodurch der Eindruck einer deutlich höheren Räudeprävalenz entstehen kann, als de facto gegeben ist.
- Grundsätzlich trat die Räude in Form kleiner lokaler Ausbrüche auf.
Behandlung von Räude bei Füchsen
*Lee, S.K., Lee, A.-N., Shin, E.-B., et al. (2025): Sarcoptic Mange in Reintroduced Red Foxes (Vulpes vulpes) in South Korea: Case Histories, Clinical Assessments, Treatments, and Pathological Findings. Animals 15(10)
- In Korea wurden Füchse durch massive Vergiftungskampagnen gegen Nagetiere nahezu ausgerottet. Neuerdings werden gezielt Tiere ausgesetzt, um die Population zu stabilisieren.
- Zwischen 2019 und 2024 wurden 27 Fälle von Räude bei 26 verschiedenen Tieren diagnostiziert. 12 davon wurden tot aufgefunden, 15 konnten lebend in Obhut genommen werden.
- Die Behandlung mit Fluralaner oder Invermectin führte in 12 dieser 15 Fälle zu einer vollständigen Genesung; drei Füchse verstarben während der Behandlung.