Fuchsjagd und Tierschutz
Inhalt
- Zentrale Punkte
- Nicht-tödliche Verletzungen durch Jagdmunition
- Baujagd
- Jagdzeiten und Elterntierschutz
Zentrale Punkte
- Auf jeden bei der Jagd erschossenen Fuchs kommt mindestens ein weiterer, der nur verletzt wird und von diesen angeschossenen Tieren wird nur ein Teil überhaupt gefunden.
- Die Baujagd stellt in mehrfacher Hinsicht schwerwiegende Tierquälerei dar.
- Fuchsrüden spielen bei der Jungenaufzucht eine bedeutende Rolle. Dennoch werden sie gerade in der Paarungszeit intensiv bejagt. Ein nach erfolgter Paarung getöteter Fuchsrüde steht nicht mehr für die Versorgung seiner Familie zur Verfügung, wodurch Überlebenschancen und Konstitution von Füchsin und Welpen erheblich beeinträchtigt werden.
Nicht-tödliche Verletzungen durch Jagdmunition
Fox, N. et al. (2003): Welfare Aspects of Shooting Foxes. All Party Parliamentary Middle Way Group; sowie Fox, N. et al. (2005): Wounding rates in shooting foxes (Vulpes vulpes). Animal Welfare (14)
- Auf jeden bei der Jagd erschossenen Fuchs kommt mindestens ein weiterer, der nur verletzt wird und von diesen angeschossenen Tieren wird nur ein Teil überhaupt gefunden.
- Fox et al. untersuchten die Treffsicherheit von unerfahrenen, angelernten und erfahrenen Jägern auf sich bewegende Papiersilhouetten eines Fuchses. Anhand der Lage der Einschußlöcher und der errechneten Eindringtiefe der Geschosse wurde abgeleitet, dass unter normalen Geländebedingungen der Anzahl geschossener Füchse mindestens diesselbe Anzahl von verwundeten Füchsen, die nicht aufgefunden werden, entspricht. Außerdem ergab sich, dass mit zunehmender Erfahrung der Jäger die Rate der geschossenen Füchse anstieg bei unverändertem Anteil der als verwundet gewerteten Silhouetten.
*Elmeros, M., Holm, T.E., Haugaard, L., Madsen A.B. (2012): Prevalence of embedded shotgun pellets in protected and in legally hunted medium-sized carnivores in Denmark. Eur J Wildl Res 58, 715–719
- Schrotschüsse sind immer mit der Gefahr verbunden, Tiere nur zu verwunden und nicht zu töten.
- Röntgenuntersuchungen von erlegten Füchsen, Ottern und Dachsen in Dänemark. Bei insgesamt 13,8% der Füchse fanden sich alte Schrotkugeln im Körper, wobei die Zahl von 24,9% in den späten 1990ern (24,9%) bis Ende der 2000er Jahre (8,5%) sank, vermutlich durch veränderte Jagdmethoden.
Baujagd
Bolliger G., Gerritsen V., Rüttimann A. (2010): Die Baujagd unter dem Aspekt des Tierschutz- und Jagdrechts, Gutachten (Schweiz)
- Die Praktik kann als ein Aufeinanderhetzen von Tieren bezeichnet werden, bei dem nicht selten unterirdische Kämpfe stattfinden und sowohl der Hund als auch das bejagte Wildtier erhebliche Verletzungen erleiden oder sogar getötet werden. Füchse und Dachse werden bei dieser Jagdmethode ausserdem an einem Ort attackiert, der von ihnen als sicheres Rückzugsrefugium genutzt wird und zur Jungenaufzucht dient.
- Aus der Sicht des Tierschutzrechts erfüllt die Ausübung der Baujagd gleich mehrfach den Tatbestand der Tierquälerei von Art. 26 TSchG. Dennoch finden sich in verschiedenen Erlassen Vorschriften, aus denen geschlossen werden könnte, die Baujagd sei erlaubt. Dabei handelt es sich jedoch ausschliesslich um Verordnungen und kantonale Gesetze, also um Erlasse, die dem Tierschutzgesetz hierarchisch untergeordnet sind und daher eigentlich keine ihm zuwiderlaufende Bestimmungen enthalten dürften.
- Die betreffenden Bestimmungen wurden somit in kompetenzwidriger Weise erlassen. Weil der Bürger auf die Richtigkeit von Rechtserlassen vertrauen darf, zieht die Durchführung der Baujagd unter diesen rechtlichen Umständen wohl keine Strafe nach sich. Gleichwohl bedeutet sie eine Tierquälerei, deren Legalisierung jeglicher rechtmässiger Grundlage entbehrt. Es ist daher zu fordern, dass dieser rechtswidrige Zustand durch die Streichung der betreffenden Bestimmungen bald möglichst beseitigt wird.
Jagdzeiten und Elterntierschutz
Vergara V. (2001): Comparison of parental roles in male and female Red Foxes, Vulpes vulpes, in southern Ontario. Canadian Field Naturalist 115(1), 22-33
- Fuchsrüde trägt durch Wache halten und durch die Versorgung von Fähe und Welpen mit Nahrung zur Aufzucht der Jungtiere bei. Außerdem spielt er mit den Welpen.
- Die kanadische Biologin Valeria Vergara stellte in einer Studie zur Vaterrolle des Fuchsrüden fest, dass der Reproduktionserfolg deutlich höher ist, wenn beide Elternteile den Nachwuchs gemeinsam aufziehen, als wenn die Fähe dabei auf sich allein gestellt ist.
- Die Tötung des Fuchsvaters hat negative Folgen für die Konstitution von Fähe und Welpen.
Gloor S., Bontadina F., Hegglin D. (2006): Stadtfüchse. Ein Wildtier erobert den Siedlungsraum. Haupt
- Fuchsrüden beteiligen sich aktiv an der Aufzucht ihres Nachwuchses. Die Hauptaufgabe der Rüden ist dabei die Versorgung der durch Schwangerschaft und Geburt geschwächten Fähe sowie ihrer Welpen mit Nahrung.
- Die Füchsin wird nach der Geburt der Welpen vom Rüden versorgt und verlässt in dieser Zeit den Bau kaum. Sie darf die neugeborenen Jungfüchse nicht für längere Zeit allein lassen, weil diese ihre Körpertemperatur noch nicht selbstständig aufrechterhalten können.
Zabel C.J. (1986): Reproductive Behavior of the Red Fox (Vulpes vulpes): A Longitudinal Study of an Island Population
- Im Rahmen von Forschungsarbeiten zum Fortpflanzungsverhalten des Rotfuchses wurden elf Fuchsfamilien beobachtet.
- Nur eine der betreffenden Füchsinnen musste ihren Nachwuchs ohne Hilfe eines Rüden großziehen, und sie war die einzige, von deren Welpen kein einziger das erste Lebensjahr überstand. Neben der schlechteren Nahrungsversorgung waren vor allem Störungen durch rivalisierende Füchse dafür verantwortlich – ein eindeutiges Indiz dafür, dass auch das Wach- und Verteidigungsverhalten der Fuchsväter für das Überleben der Jungtiere von erheblicher Bedeutung ist.
Frey-Roos, A. (2007): Fuchs und Co – Biologie und jagdliche Konsequenzen. In: Bericht über die 13. Österreichische Jägertagung zum Thema Räuber und Beute – die ökologische Bedeutung der Beutegreifer im Spannungsfeld unterschiedlicher Interessen, 13. und 14. Februar 2007 an der HBLFA Raumberg-Gumpenstein. Irdning: Höhere Bundeslehr- u. Forschungsanstalt für Landwirtschaft, S. 31–34.
- In der Säugezeit werden in Österreich nachweislich mehr Fähen als Rüden erlegt, ansonsten deutlich mehr Rüden als Fähen. Die ansonsten viel misstrauischeren Fähen legen zu dieser Zeit ihre Vorsicht ab, um größere Mengen an Futter verzehren bzw. zu den Welpen bringen zu können. Konsequenz ist, dass die Welpen dieser Fähen verhungern/verdursten/erfrieren.
- Offensichtlich sind Jäger also nicht in der Lage (oder nicht willens), die Füchse in der Säugezeit sicher anzusprechen.
Weitere Belege für die Rolle des Fuchsrüden bei der Jungenaufzucht:
- J.R.Malcolm (1985): Paternal Care in Canids. American Zoologist, 25(3): 853-856
- D. Macdonald (1980): Social factors affecting reproduction by the red fox, Vulpes vulpes. In: E. Zimen, ed. The Red Fox, Symposium on Behavior and Ecology. Biogeographica 18, W. Junk, The Hague, The Netherlands
- J.D. Henry (1986): Red Fox: The Catlike Canine. Smithsonian Institute Press
- C.S.Asa (1997): Hormonal and Experiential Factors in the Expression of Social and Parental Behavior in Canids. In: N. G. Solomon & J.A.French, Cooperative Breeding in Mammals. Cambridge University Press
- D.G.Kleiman, J.R.Malcolm (1981): The Evolution of Male Parental Investment in Mammals. In: D.J. Gubernick, P.H. Klopfer, Parental Care in Mammals. Plenum Publishing
- C.S.Asa, C.Valdespino (1998): Canid Reproductive Biology: an Integration of Proximate Mechanisms and Ultimate Causes. American Zoologist, 38: 251-259
- D. Macdonald (1991): Running with the Fox. Facts on File
- S. Harris (1986), Urban Foxes. Whittet Books
- C.J. Zabel, S.J. Taggart (1989): Shift in red fox, Vulpes vulpes, mating system associated with El Niño in the Bering Sea, Animal Behavior 38, 830-838