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Füchse und ihre Beutetiere

Füchse und ihre Beutetiere

Inhalt

  • Zentrale Punkte
  • Einfluss des Fuchses auf Beutepopulationen
  • (Fehlende) Effektivität der Jagd zum Schutz von bedrohten Arten
  • Nicht-tödliche Maßnahmen zum Schutz bedrohter Arten vor Beutegreifern
  • Maßnahmen zur Habitatverbesserung (und Interaktion zwischen Habitatfaktoren und Prädationsrate)

Zentrale Punkte

  • Die Bedrohungsursache von gefährdeten Arten wie etwa bodenbrütenden Vögeln oder auch dem Feldhasen sind keineswegs Beutegreifer, sondern vielmehr die Zerstörung oder Umgestaltung ihres Lebensraums. Eine zentrale Rolle hierbei spielt die intensive Agrarwirtschaft.
  • Die Einfluss des Fuchses auf bedrohte Arten variiert stark. Vielerorts ist er sehr gering. Wo die Ausräumung ihres Lebensraums die Lebensbedingungen der Beutearten jedoch bereits stark verschlechtert hat, können Füchse und andere Beutegreifer die Situation weiter verschärfen. Das liegt beispielsweise daran, dass die Beutetiere eines Mangels an Deckung und Nahrung zu riskanterem Verhalten bei der Nahrungssuche gezwungen sind.
  • Die weit überwiegende Zahl wissenschaftlicher Studien kommt zu dem Ergebnis, dass die Intensivierung der Fuchsbejagung bedrohten Beutearten nicht hilft. In einigen Fällen zeigen sich sogar kontraproduktive Effekte, d.h. die Fuchsjagd hat einen negativen Effekt auf die Bestandsentwicklung der Beutearten (beispielsweise durch Störungen im Lebensraum sensibler Arten infolge von Jagden).
  • Grund für das Scheitern der Fuchsbejagung als Artenschutzmaßnahme ist in den meisten Fällen schlichtweg die Tatsache, dass Jagd die Fuchspopulation nicht nachhaltig zu reduzieren vermag.
  • Will man bedrohten Arten helfen, kann dies nur dadurch geschehen, dass man ihre Lebensräume wieder verbessert (z.B. Vorhandensein von Deckung, Nahrung, geeigneten Brutstätten). Dadurch können auch prädationsbedingte Verluste reduziert werden.
  • In einem geeigneten Lebensraum können Beutegreifer und Beutetiere problemlos koexistieren.

Einfluss des Fuchses auf Beutepopulationen

Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald (Hrsg.) (2009): Rotfuchs und Dachs – Raumnutzungsverhalten und Habitatwahl, Wissenschaftliche Schriftenreihe Heft 18

  • “Der Einfluss des Rotfuchses auf die Populationsdichte seiner Beutetiere konnte bisher noch nicht bewiesen werden, da die Füchse bei Nahrungsknappheit auf alternative Nahrung ausweichen, bis sich der Bestand der ursprünglichen Hauptbeute erholt hat”.
  • “Im Nationalpark Bayerischer Wald ist die erfolgreich wiederangesiedelte Auerhuhnpopulation vom Rotfuchs nicht gefährdet, es wurden keine Nachweise von Raufußhühnern in den Losungen gefunden. Die Einwirkung auf andere Niederwildarten schätzten PALOMARES und RUIZ-MARTINEZ (1994) auf weniger als 1%.”

Teunissen W, Schekkermann H, Willems F. (2005): Predatie bij weidevogels. Op zoek naar de mogelijke effecten van predatie op de weidevogelstand. Gutachten im Auftrag von Sovon ogelonderzoek Nederland, Alterra

  • Bei einer niederländischen Studie zu den Wirkungen der Prädation auf Wiesenvögel (135 S.; www.sovon.nl; mit englischer Zusammenfassung) zeigte sich, dass Säugetiere (z. B. Fuchs, Hermelin, Iltis) vor allem die Gelege, Vögel (z. B. Mäusebussard, Graureiher) eher die Küken der Wiesenvögel erbeuteten. Der Fuchs stellte sich in den meisten Fällen als Hauptprädator der Gelege dar. Insgesamt nahm der Prädationsdruck mit zunehmender Offenheit der Landschaft ab. In den Modellierungen der Untersuchung war die Prädation auf Küken für die Population der Wiesenvögel der wirkungsvollste Faktor, während die Wirkung der Gelegeprädation geringer oder vergleichbar zu anderen Faktoren (z. B. Verluste durch Mahd) war. Insgesamt war der Einfluss des Fuchses auf die Wiesenvögel gering. Die niederländische Regierung wartete damals übrigens nicht auf die Resultate der Studie, sondern gab den Fuchs auf Druck der Jägerschaft wieder zum Abschuss frei.
  • Siehe dazu Frommhold, Dag: Quo Vadis, Reineke?, http://www.fuechse.info/index.php?navTarget=artikel_texte/quovadis.html

Seymour A.S., Harris S., Ralston C., White P.C.L. (2003): Factors influencing the nesting success of Lapwings Vanellus vanellus and behaviour of Red Fox Vulpes vulpes in Lapwing nesting sites. Bird Study 50: 39-46.

  • Untersuchung zum Verhalten des Fuchses in Brutgebieten des Kiebitzes und zum Einfluss des Fuchses auf den Bruterfolg des Kiebitzes
  • Wenn die Kiebitzdichte gering ist, betreiben Füchse nur minimalen Aufwand bei der Suche nach Kiebitznestern. Je höher die Dichte an Kiebitzen, desto mehr Aufwand wird für das Auffinden von Nestern betrieben. Der Prädationsdruck auf seltene Tiere ist dadurch gering, der auf häufige entsprechend höher („Schwelleneffekt“)
  • Insgesamt sind die Verluste durch Füchse gering; deutlich mehr Kiebitze fallen Krähen zum Opfer

Bruns, H.A., Hötker H., Christiansen J., Hälterlein B. & Petersen-Andresen W. (2001): Brutbestände und Bruterfolg von Wiesenvögeln im Beltringharder Koog (Nordfriesland) in Abhängigkeit von Sukzession, Beweidung, Wasserständen und Prädatoren. Corax 18, Sonderheft 2: 67-80.

  • Untersuchung von Einflussfaktoren auf die Brutbestände und den Bruterfolg von Entenarten (Anatidae) in Nordfriesland. „Als für die Bestandsgrößen wichtige Faktoren ließen sich Wasserstand und verschiedene Wetterparameter ermitteln. Die Häufigkeit von Füchsen (Vulpes vulpes) erwies sich sowohl für die Erklärung der Bestandshöhe als auch des Bruterfolges als weniger bedeutend.“

Wübbenhorst D. (2002): Gefährdungsursachen des Rebhuhns Perdix perdix in Mitteleuropa. Vergleichende Untersuchung von Lebensräumen mit unterschiedlicher Siedlungsdichte des Rebhuhns unter besonderer Berücksichtigung der Nisthabitate. Kassel university press, Kassel

  • Ursache für die Bestandsabnahme beim Rebhuhn ist eine sinkende Lebensraumkapazität infolge schlechter werdender Biotopqualität, nicht der Einfluss von Beutegreifern.
  • Es gibt Hinweise darauf, dass Beutegreifer menschlichen Spuren, die in Untersuchungsgebieten bei der Nesterkontrolle entstehen, gezielt folgen. Dadurch wird in einigen Untersuchungen die Prädationsrate vermutlich künstlich erhöht und infolgedessen deutlich überschätzt.
  • Prädationsversuche mit Kunstnestern sind ungeeignet, einen entscheidenden Prädationseinfluss auf Rebhuhnpopulationen zu belegen.
  • „Für das langfristige Überleben einer Art dürfte zudem optimale Fitness entscheidend sein, nicht eine konstant hohe Individuenzahl, weshalb Prädationsdruck für die Beute nicht unbedingt negativ ist.“

Baker P., Furlong M., Southern S., Harris S. (2006): The potential impact of red fox Vulpes vulpes predation in agricultural landscapes in lowland Britain. Wildlife Biology, 12, 39-50.

  • In einem landwirtschaftlich genutzten Untersuchungsgebiet in Südengland wurde der Anteil einer großen Bandbreite an Beutearten am Nahrungsspektrum des Fuchses untersucht (Kotanalyse) und in Bezug zur Reproduktionsleistung der betreffenden Art innerhalb des Untersuchungsgebiets gesetzt. Kaninchen und Feldmäuse waren dabei die häufigsten Beutetiere.
  • Ein möglicher regulierender Einfluss auf die Beutearten ergab sich lediglich für den (zu Jagdzwecken ausgesetzten) Fasan sowie die Feldmaus (!), wobei für die Beurteilung dieses Zusammenhangs die Untersuchung der Rolle der zahlreichen anderen natürlichen Feinde der Feldmaus vonnöten wäre. Die Verluste bei Fasanen wurden durch Einwanderung von Tieren aus benachbarten Gebieten ausgeglichen.

Kissling, J., Bshary R., Fischer C. (2018): Assessing the predation pressure of the Red fox on the Brown hare in agricultural areas of Switzerland. 33rd International Union of Game Biologists.

  • In landwirtschaftlich genutzten Gebieten der Schweiz wurden Interaktionen zwischen Feldhasen und Beutegreifern mit reichweitenstarken Infrarotkameras untersucht.
  • 316 von 344 dieser Interaktionen fanden zwischen Hasen und Füchsen statt. In 78% davon hatten die Füchse Blickkontakt zu den Hasen, aber nur in 4% der Fälle setzten die Füchse den Hasen kurz nach (über weniger als 50 Meter). In keinem einzigen Fall gab es einen erfolgreichen Angriff eines Fuchses auf einen Hasen.
  • Gegenüber Füchsen zeigen Hasen nahezu kein Fluchtverhalten, was ein Hinweis darauf ist, dass Füchse für Hasen keine gefährlichen Feinde sind. Der Anblick von Hunden löste dagegen regelmäßig Fluchtverhalten bei Hasen aus.
  • Die Autoren schließen, dass Füchse keine Gefahr für erwachsene Hasen darstellen.

Whelan, C.J., Dilger, M.L., Robson, D., Hallyn, N., Dilger, S. (1994): Effects of Olfactory Cues on Artificial-Nest Experiments. The Auk 111(4), 945-952

  • In Schutzgebieten werden die Nester bodenbrütender Vögel oft von Menschen kontrolliert (z.B. um Prädationsereignisse zu erfassen)
  • Im Rahmen der Studie wurden in zwei Experimenten (mit je 15 Tagen Dauer) Bambusnester mit Wachteleiern bestückt. Es wurden Geruchsspuren mit unterschiedlichen Geruchsnoten und -intensitäten gelegt (Menschengeruch, Parfum, Hirschgeruch, kein Geruchsstoff).
  • Prädationsereignisse wurden mit Hilfe von Wildkameras dokumentiert.
  • Es zeigte sich, dass im Falle von Parfum und Menschengeruch eine deutlich höhere Prädationswahrscheinlichkeit für die betreffenden Nester bestand. Beutegreifer können also die menschlichen Geruchsspuren gezielt nutzen, um Bodenbrüternester aufzuspüren.
  • Dadurch wird die Prädation in vielen Studien, bei denen Nester manuell kontrolliert werden, vermutlich systematisch überschätzt.

(Fehlende) Effektivität der Jagd zum Schutz von bedrohten Arten

Côté I.M., Sutherland W.J. (1997): The effectiveness of removing predators to protect bird populations. Conservation Biology 11, 395–405.

  • Literaturstudie, die 20 Experimente zur Prädatorenkontrolle zusammenfasst und dabei (im Gegensatz zu früheren Studien) auch die Stärke dieses Effekts berücksichtigt.
  • Fazit: Prädatorenkontrolle (typischerweise intensiv mit Berufsjägern betrieben) hat keinen signifikanten positiven Einfluss auf die Brutpopulation von Vogelarten. Zwar fanden einige Studien, dass mehr Gelege überlebten und die Herbstpopulation anstieg; diese Effekte hatten sich jedoch bis zur nächsten Brutsaison wieder verloren.
  • Einige Studien zeigten sogar ein Absinken der Brutpopulationen unter Prädatorenkontrolle.

Baines D. (1996): The implications of grazing and predator management on the habitats and breeding success of black grouse (Tetrao tetrix). Journal of Applied Ecology 33, 54–62.

  • Untersuchung zum Einfluss der Prädatorenkontrolle auf Dichte und Bruterfolg des Birkhuhns
  • 20 Moorgebiete mit Birkhuhnvorkommen wurden dabei verglichen. Es gab keinen Unterschied hinsichtlich Bruterfolg und Bestandsdichte zwischen Gebieten mit und ohne Prädatorenkontrolle.
  • Sowohl Bruterfolg als auch Bestandsdichte waren jedoch in Gebieten höher, in denen es bessere Nahrungsbedingungen und hohe Vegetation als Deckung vor Prädatoren gab.
  • Ein zweites Experiment (Calladine J, Baines D and Warren P (2002) Effects of reduced grazing on population density and breeding success of black grouse in northern England. Journal of Applied Ecology 39: 772–780) zeigte zudem einen negativen Einfluss grasender Schafherden auf die Birkhuhnpopulation.

Summers R.W., Proctor R., Thornton M., Avey G. (2004): Habitat selection and diet of the capercaillie (Tetrao urogallus) in Abernethy Forest, Strathspey, Scotland. Bird Study 51: 58–68.

  • Studie zum Einfluss von Prädatoren (Krähen und Füchse) auf Auerhahnpopulationen
  • Ergebnisse zu Krähen waren uneindeutig, weil Jahre mit Prädatorenkontrolle gleichzeitig mit geringerem Niederschlag koinzidierten, was sich positiv auf den Bruterfolg der Auerhühner ausgewirkt haben dürfte.
  • Im Hinblick auf Füchse konnte trotz des Einsatzes von Berufsjägern keine Reduktion der Bestandsdichte festgestellt werden; es gab keine Anhaltspunkte dafür, dass es zwischen der Fuchsdichte und der Auerhuhndichte einen Zusammenhang gibt.

Bolton M., Tyler G., Smith K. & Bamford R. (2007): The impact of predator control on lapwing Vanellus vanellus breeding success on wet grassland nature reserves. Journal of Applied Ecology, 44, 534-544

  • Studie über den Einfluss massiver Bejagung von Fuchs und Krähen auf den Fortpflanzungserfolg von Kiebitzen.
  • Insgesamt 11 Gebiete. In 5 davon töteten Berufsjäger in den ersten vier Jahren Füchse und Krähen, in vier weiteren Jahren nicht. In sechs weiteren Gebieten war die Reihenfolge umgedreht.
  • Während die Gelegeanzahl in einigen Gebieten mit Prädatorenkontrolle höher war als ohne, war es in anderen andersherum.
  • Fazit: “There was no overall effect of predator control on lapwing population trends” (Prädatorenkontrolle hatte insgesamt keinen Einfluss auf die Populationstrends beim Kiebitz).

Gibbons D.W., Amar A., Anderson G.Q.A., Bolton M., Bradbury R.B., Eaton M.A., Evans A.D., Grant M.C., Gregory R.D., Hilton G.M., Hirons G.J.M., Hughes J., Johnstone I., Newbery P., Peach W.J., Ratcliffe N., Smith K.W., Summers R.W., Walton P. and Wilson J.D. (2007): The predation of wild birds in the UK: a review of its conservation impact and management. RSPB Research Report no 23. RSPB, Sandy.

  • Sehr umfangreiche Literaturstudie der britischen Royal Society for the Protection of Birds, in die Ergebnisse zahlreicher Forschungsarbeiten einbezogen wurden.
  • Generalistische Prädatoren haben bisweilen (aber bei weitem nicht immer) einen Einfluss auf die Populationsdichte ihrer Beutetiere.
  • Die RSPB hält es jedoch für wichtig, sich primär um Maßnahmen zur Habitatverbesserung zu kümmern (z.B. um die Lebensbedingungen für die Beutetiere zu verbessern und jene für die Beutegreifer zu verschlechtern). Zusätzlich werden bisweilen elektrische Schutzzäune eingesetzt. Das Töten von Prädatoren sollte nur in Ausnahmefällen und nur lokal begrenzt zum Einsatz kommen.
  • Im Vergleich zu 1961 sind die Fuchsstrecken in Großbritannien heute fast fünfmal so hoch (dort gab es wohlgemerkt keine Tollwut – die Ausrottung der Tollwut hat also keinen Anteil an einer vermuteten Bestandssteigerung). Seit 1990 sind die Bestände jedoch konstant oder sogar leicht am sinken. Eine mögliche Erklärung dafür ist die große Anzahl zu Jagdzwecken ausgesetzter Vögel, was das Nahrungsangebot für Füchse dramatisch verbessert haben dürfte.
  • Insgesamt zeigt sich, dass intensive Verfolgung von Prädatoren mitunter nützlich für Jäger ist, weil sie die Herbstpopulation der betreffenden Vogelarten – und damit die für die Jagd zur Verfügung stehenden Tiere – erhöht. Wenn das Ziel jedoch der Artenschutz ist und es daher darum geht, die Brutpopulationen zu erhöhen, sind die Ergebnisse durchwachsen und bisweilen sogar negativ.

Hötker H., Jeromin H., Thomsen K.M., Aktionsplan für Wiesenvögel und Feuchtwiesen – Endbericht, 2007

  • Prädationsraten sind bei Abwesenheit von Deckung höher.
  • “Insgesamt zeigte sich kein signifikanter Einfluss der Prädatorenbekämpfung auf die Bestandsentwicklungen”.
  • “Die in der Literatur erwähnten Tötungen von Prädatoren führten in vielen Fällen zu höheren Reproduktionsleistungen bei den Wiesenvögeln, aber keinesfalls immer zu positiven Bestandsveränderungen (Côté & Sutherland, 1997; Newton, 1993). In einer umfangreichen experimentellen Studie konnten Bolton et al. (2007) zeigen, dass die Tötung von Füchsen und Krähen in einigen, aber nicht in allen Gebieten zu einem höheren Bruterfolg von Kiebitzen führte. Ein Einfluss der Prädatorenkontrolle auf die Bestandsentwicklung ließ sich nicht nachweisen.”
  • “Möglicherweise ist die Wirksamkeit der Prädatorenbekämpfung vor allem an solchen Orten gegeben, an denen die freigewordenen Reviere nicht unmittelbar durch benachbarte Individuen aufgefüllt werden können, also etwa auf Inseln oder Halbinseln.”
  • “Als weitere Möglichkeit, Prädatoren von den Gelegen und Küken der Wiesenvögel fernzuhalten, wird die großflächige Überflutung von Feuchtwiesen
    vor der Brutzeit angesehen. Diese Überflutung vernichtet die lokalen Kleinsäugerpopulationen und damit die wesentliche Nahrungsgrundlage der meisten Prädatoren. Für sie wird das Gelände so wenig attraktiv, dass sie es nicht mehr aufsuchen.”

Langgemach T., Bellebaum J. (2005): Prädation und der Schutz bodenbrütender Vogelarten in Deutschland, Vogelwelt 126, 259 – 298

  • Literaturstudie/Zusammenfassung von Forschungsergebnissen zum Thema Prädationseinfluss.
  • Kommen zu dem Ergebnis, dass Prädation durchaus einen Einfluss auf Bodenbrüter haben kann, äußern sich jedoch zur Jagd als Mittel zur Reduktion dieses Prädationseinflusses kritisch:
  • “Diese Schwierigkeiten auf Inseln deuten an, wie viel schwieriger es auf dem Festland bei uneingeschränkter Zuwanderung ist, Raubsäuger zu reduzieren. Die Ausbreitung und rapide Bestandszunahme von Marderhund und Waschbär wurden auch durch eine Bejagung ohne Schonzeit nicht ansatzweise verhindert, wahrscheinlich nicht einmal verlangsamt.”
  • “Für den Fuchs nehmen HEYDON & REYNOLDS (2000) an, dass die in Großbritannien üblichen Formen der Bekämpfung, die deutlich weiter gehen als die deutschen Jagdmethoden, die Dichte regional begrenzen können. Nach HEWSON (1986) dagegen konnten vergleichbare Methoden die Fuchsfamiliendichten in einem schottischen Gebiet nicht verringern.”
  • “Auch bei Zahlung von Abschussprämien an Jäger ließen sich tollwutfreie Fuchsbestände nach der Erfahrung in verschiedenen Ländern nicht nachhaltig reduzieren (z. B. Schweiz: KAPHEGYI & BREITENMOSER 1995; Australien: ANONYMUS 2003).”
  • “In anderen Ländern ist mehrfach versucht worden, zumindest lokal die relevanten Prädatoren zu dezimieren, wobei die meist jagdlich motivierten Maßnahmen die Vernichtung einer möglichst großen Zahl potenzieller Nesträuber (v. a. Raubsäuger und Rabenvögel) unabhängig von deren Anteilen an Nestverlusten anstrebten, z. B. in der nordamerikanischen Prärie (SARGEANT et al. 1995; SOVADA et al. 2001) oder in England (z. B. TAPPER et al. 1996). Die meisten Maßnahmen konnten wenigstens die Bruterfolge steigern, aber nur selten die Brutbestände im darauffolgenden Frühjahr (Übersicht: CÔTÉ & SUTHERLAND 1997).”
  • “An der Ostseeküste Schleswig-Holsteins hat die Fuchsbejagung in Schutzgebieten die Präsenz von Füchsen nicht merklich verringert. Auf dem Graswarder blieb z. B. die Prädation auf Gelege und Jungvögel der Sturmmöwe unverändert hoch (KUBETZKI 2002). Am Bottsand wurden Erfolge nur erzielt, wenn gleichzeitig ein Elektrozaun betrieben wurde (BEHMANN 1998).”
  • “In Deutschland fanden Versuche zur Fuchsreduzierung bisher gewöhnlich mit Hilfe der örtlichen Jagdpächter statt. Trotz gesteigerter Abschüsse in Projektgebieten wurden aber keine oder nur kurzfristige Erfolge erzielt. Auch bei intensiver Kooperation mit den Jägern und Zahlung von Prämien über zehn Jahre in zwei Trappenschongebieten in Brandenburg ließen sich keine messbaren Veränderungen der Prädationsverluste erzielen (SCHWARZ et al. 2005).”

Junker S., Düttmann H., Ehrnsberger R. (2011): Nachhaltige Sicherung der Biodiversität in bewirtschafteten Grünlandgebieten Norddeutschlands am Beispiel der Wiesenvögel in der Stollhammer Wisch, Studie der Hochschule Vechta, Deutsche Bundesstiftung Umwelt

  • Studie über die Einflussfaktoren auf die Kiebitz- und Uferschnepfenpopulationen in der Stollhammer Wisch (Niedersachsen).
  • Füchse spielen vor allem als Gelegeprädatoren eine Rolle und haben regional einen Einfluss auf ihre Beutetiere; ihre Bejagung hat jedoch nur einen sehr eingeschränkten Einfluss auf die Bestandsdichte von Kiebitz und Uferschnepfe. Drastische Reduktionen der Fuchsdichte durch Seuchen wie die Tollwut haben jedoch in einigen Studien einen Einfluss auf die Dichte der Vogelarten gezeigt.
  • “Die verstärkt durchgeführte Bejagung des Rotfuchses hat ganz offensichtlich zu keiner nachhaltigen Bestandsabnahme geführt, da die Abschusszahlen über die Jahre hinweg nicht sinken.“
  • “Im Zeitraum 2002-2004 wurde die Fuchsbejagung besonders in und um unsere Untersuchungsgebiete herum intensiviert. Trotzdem konnte kein Absinken der Abschusszahlen beobachtet werden, was darauf schließen lässt, dass verstärkte Bejagung im Winter und Frühjahr keine langfristige Reduzierung des Fuchsbestandes nach sich zieht.”
  • Es gibt einen Zusammenhang zwischen Bruterfolg des Kiebitzes und Wühlmausdichte – wenn Wühlmäuse zahlreich sind, ernähren sich Marder, Mäusebussard und Fuchs vor allem von ihnen; Prädation auf Kiebitze nimmt dadurch ab.

Dion N., Hobson K.A., Larivière S. (1999): Effects of removing duck-nest predators on nesting success of grassland songbirds. Canadian Journal of Zoology, 77, 1801-1806

  • Im Rahmen dieser Studie, durchgeführt in North Dakota/USA, wurde untersucht, welchen Einfluss die Entfernung von Prädatoren (hier Fuchs, Waschbär und Skunk) auf die Population von Singvögeln auf Wiesen- und Weideland besitzt. Dafür wurden acht Untersuchungsgebiete zufällig einer von zwei Gruppen zugewiesen, wobei in der einen Gruppe keine Maßnahmen zur Reduktion von Beutegreifern durchgeführt wurden, in der anderen die Beutegreifer mit Schusswaffen und verschiedenen Fallentypen getötet wurden.
  • Es zeigte sich, dass die Überlebensrate der Gelege sich in den Untersuchungsgebieten nicht unterschied.

Schwarz S., Sutor A., Litzbarski H. (2005): Bejagung des Rotfuchses Vulpes vulpes im NSG Havelländisches Luch (Brandenburg) zugunsten der Großtrappe Otis tarda. Vogelwelt 126, 431-445.

  • Mit Hilfe von Prämien wurden Jäger dazu animiert, die Fuchsbejagung zu intensivieren, um den Prädationsdruck auf die Großtrappe zu reduzieren.
  • Es zeigte sich jedoch kein klarer Zusammenhang zwischen intensivierter, durch das Prämiensystem unterstützter Fuchsbejagung und der Bestandsentwicklung der Großtrappe. Die Ergebnisse „legen nahe, dass eine wirksame Prädatorenkontrolle durch private Jagdpächter (Freizeitjäger) allein nicht erreicht werden kann.“

Mooij, J.H. (1998): Zum Einfluß von Biotopeignung und Prädatoren auf die Bestände einiger Niederwildarten. Beiträge zur Jagd- und Wildforschung 23, 161-178.

  • Zusammenfassung zahlreicher Untersuchungen zum Einfluss von Lebensraum und Beutegreifern auf die Bestände von Niederwildarten.
  • „Es gilt mittlerweile als sicher, dass der Rückgang der Bestände von Feldhase, Rebhuhn und Fasan primär auf die negativen Landschaftsveränderungen zurückzuführen ist.“
  • Dass nicht der Fuchs für den Rückgang z.B. des Rebhuhns verantwortlich ist, zeigen Daten aus den Niederlanden und Belgien, wo ein starker Rückgang der Rebhuhnbestände spätestens seit den 1950er Jahren, parallel zur Intensivierung der Landwirtschaft, einsetzte. Ein Anstieg der Fuchsbestände war aber erst Ende der 1960er Jahre (Niederlande) bzw. in den 1980er Jahren (Belgien) zu verzeichnen. In Deutschland begann der Niedergang des Rebhuhns bereits in den 1930er Jahren, und die Abnahme der Feldhasenpopulation Mitte der 1970er Jahre eine Zunahme der Fuchsbestände wurde aber erst seit Mitte der 80er Jahre verzeichnet. In der Schweiz sank der Feldhasenbestand ab Mitte der 1960er Jahre deutlich ab, die Füchse nahmen aber erst Ende der 1970er Jahre zu.
  • Prädatorenbekämpfung wirkt sich selbst in einer intensiv genutzten Agrarlandschaft so gut wie nicht aus, weil die Biotopqualität primär die Bestandsgröße bestimmt.
  • „Objektiv wissenschaftlich wäre deshalb festzustellen, dass auch bei Füchsen und Rabenvögeln die Bejagung keinen wesentlichen Einfluss auf die Bestandsgröße haben wird.“
  • Fuchsbejagung kann u.U. die Gesamtzahl der Füchse, die in einem Gebiet über ein Jahr hindurch leben, erhöhen.

Kämmerle, J.L., Niekrenz S., Storch I. (2019): No evidence for spatial variation in predation risk following restricted-area fox culling. BMC Ecol. 19(1):17

  • In Gebieten im Schwarzwald mit unterschiedlich intensiver Fuchsbejagung (gezielte Bejagung mit finanziellen Anreizen gegenüber keiner gezielten Fuchsbejagung) wurden 273 künstliche Vogelnester mit Wildkamera überwacht.
  • Obwohl in Revieren mit gezielter Fuchsbejagung deutlich mehr Füchse getötet wurden, konnte dort keine dauerhafte Reduktion des Fuchsbestands festgestellt werden.
  • Die Fuchsbejagung hatte keinen Einfluss auf die Häufigkeit von Prädationsereignissen (Ausrauben der künstlichen Nester).
  • Die Autoren schließen, dass die Fuchsbejagung durch Freizeitjäger selbst bei finanziellen Anreizen für den Fuchsabschuss keinen Einfluss auf das Prädationsrisiko von Beutetieren hat.

Müller, P. (1996): Klimawandel, Flächennutzungsdynamik und Prädation als populationssteuernde Faktoren beim Feldhasen. Schriftenreihe Landesjagdverband Bayern 2:5-24

  • Zwischen 1990 und 1996 wurde im etwa 700 Hektar großen Jagdrevier Wahlen im nördlichen Saarland unter der wissenschaftlichen Leitung des damaligen Vizelandesjägermeisters Prof. Dr. Paul Müller (Universität des Saarlandes) der Totalabschuss von Beutegreifern (Füchse, Dachse, Rabenvögel u.a.) versucht, um die Bestandsauswirkungen auf das Niederwild (Feldhasen, Fasane, Rebhühner u.a.) und einige Singvogelarten zu untersuchen.
  • In diesen sechs Jahren des Feldversuchs wurden insgesamt 2.242 Rabenkrähen, Elstern und Eichelhäher, 579 Füchse und 643 weitere Beutegreifer erlegt. Zugleich wurden 93 Fasanen und 46 Feldhasen zur Strecke gebracht. In der Relation sind hier mehr als 24 Rabenvögel für einen Fasan gestorben und 20 „Kleinraubtiere“ für je einen Hasen.
  • Die Jagdstrecken von Fasan und Feldhase veränderten sich offensichtlich nicht, obwohl der sonst übliche Abschuss von Beutegreifern auf ein Vielfaches erhöht worden war. Es gelang auch nicht, eine Zunahme von Singvögeln nachzuweisen. Das zu erreichen, war aber eines der beiden Ziele des „Totalabschusses“ im Großrevier gewesen.
  • Die zunächst vermutete leichte Zunahme der Jagdstrecken beim Fasan erwies sich bei genauerer Betrachtung als Teil eines weiträumigen Effekts, der aller Wahrscheinlichkeit von der Witterung ausgegangen war. Denn die Straßenverkehrsverluste von Fasanen stiegen im Vergleichszeitraum zum Beispiel in Ostbayern (Bundesstraße 12 von München nach Niederbayern, 150 km Distanz) ganz ähnlich wie im 500 km entfernten Saarland an.

La Haye M, van Kats R., Müskens G.J.D.M., Hallmann C. (2020): Predation and survival in reintroduced populations of the Common hamster Cricetus cricetus in the Netherlands. Mammalian Biology – Zeitschrift für Säugetierkunde 100(6):1-11

  • Da Füchse im Verdacht standen, die Population des bedrohten Feldhamsters zu dezimieren, wurde ihre Bejagung in den Jahren 2009 bis 2014 intensiviert. Zudem wurde der Abschuss von Füchsen im Licht von Scheinwerfern gestattet.
  • Ein Vergleich der Überlebensraten von Feldhamster zwischen Jahren mit und ohne intensivierter Fuchsbejagung zeigte, dass die Jagd auf Füchse die Überlebenschancen von Feldhamstern nicht erhöht.

Jellesmark, S., Ausden, M., Blackburn, T.M., Hoffmann, M., McCrae, L., Visconti, P., Gregor, R.D. (2022): The effect of conservation interventions on the abundance of breeding waders within nature reserves in the United Kingdom. Ibis 165, 69-81

  • Im Rahmen der Untersuchung wurde die Effektivität verschiedener Maßnahmen zum Schutz von Watvögeln (Kiebitz, Großer Brachvogel, Sumpfschnepfe und Rotschenkel) untersucht.
  • Weder das Töten von Krähen noch die Jagd auf Füchse hatte einen signifikanten Effekt auf die Brutpopulationen der Zielarten.
  • Zäune zum Schutz der Watvögel vor Beutegreifern waren bei Kiebitz und Rotschenkel effektiv.
  • Vermutlich wurden die getöteten Krähen und Füchse rasch durch einwandernde Individuen ersetzt.

*Reimoser, S., Reimoser, F. (2020): Lebensraum & Jagdstrecke: Abschussdichten verschiedener Wildarten in den österreichischen Bezirken seit 1955 – 3. Teil: Rotfuchs.

  • Artikel fasst die Fuchsstrecken in Österreich von 1955 bis 2018 zusammen.
  • In den 1980er Jahren waren – tollwutbedingt – die Fuchspopulation und dementsprechend die Jagdstrecken bei Füchsen gering, trotzdem erfolgte in dieser Zeit der stärkste Rückgang der Hasen- und Fasanenstrecken.
  • In den 1990er Jahren stiegen die Fuchsstrecken stark an (starkes Indiz für steigende Populationsdichten) – allerdings gab es in dieser Zeit (zwischen etwa 1990 und 2010) keinen weiteren Rückgang bei Fasan und Feldhase!
  • Seit Anfang der 2010er Jahre wieder Rückgang von Fasan- und Feldhasenpopulationen, aber die Fuchsstrecken waren in dieser Zeit weitgehend konstant!

*Kirkwood, R., Sutherland, D.R., Murphy, S., Dann, P. (2014): Lessons from long-term predator control: a case study with the red fox. Wildl Res 41 (3): 222–232.

  • Evaluation einer 58 Jahre andauernden Kampagne, die eine bedrohte Pinguinpopulation auf der australischen Phillip Island vor den dort eingeführten Rotfüchsen schützen sollte.
  • Von 1980 bis 2005 wurden verschiedene Jagdtechniken eingesetzt, mit hochintensiver Bejagung. Da es sich um eine Insel handelte, die nur über eine Brücke mit dem Festland verbunden war, konnte die Zuwanderung effektiv begrenzt werden. Dennoch hatte diese intensive Bejagung keine Reduktion des Prädationsdrucks auf die Pinguine zur Folge.
  • Erst durch das systematische Auslegen von Giftködern konnte die Prädation reduziert werden (Hinweis: Außerhalb von Insellagen scheitert in Australien selbst dies in der Regel).

*Pépin, D., Feuvrier, P., Powolny, T., Giraudoux, P. (2025): Investigating the effects of red fox management on poultry beyond the controversy, Jura Massif, France. Scientific Reports 15(1)

  • Fragestellung: Sollten Füchse wegen ihrer Rolle als Prädatoren von Nutzgeflügel bejagt werden?
  • In Frankreich können Wildtierarten als „Schaden verursachende Spezies“ (ESOD) eingestuft werden. Wildtiere mit dieser Klassifikation werden das ganze Jahr über gefangen/bejagt.
  • 231 Farmen (mit im Schnitt 10.883 Tieren!) wurden über 4 Jahre beobachtet; dabei kam es zu insgesamt 1105 Prädationsfällen in 109 Farmen, von denen 48,3% sicher oder wahrscheinlich Füchsen zuzurechnen waren.
  • Die Klassifikation des Fuchses als ESOD und die damit verbundene intensivere Bejagung hatte keinen Einfluss auf die Verluste. Dagegen reduzierten bessere Schutzmaßnahmen (z.B. bessere Zäune) die Fuchsprädation deutlich.

Nicht-tödliche Methoden zum Schutz bedrohter Arten vor Beutegreifern

Gibbons D.W., Amar A., Anderson G.Q.A., Bolton M., Bradbury R.B., Eaton M.A., Evans A.D., Grant M.C., Gregory R.D., Hilton G.M., Hirons G.J.M., Hughes J., Johnstone I., Newbery P., Peach W.J., Ratcliffe N., Smith K.W., Summers R.W., Walton P. and Wilson J.D. (2007): The predation of wild birds in the UK: a review of its conservation impact and management. RSPB Research Report no 23. RSPB, Sandy.

  • Sehr umfangreiche Literaturstudie der britischen Royal Society for the Protection of Birds, in die Ergebnisse zahlreicher Forschungsarbeiten einbezogen wurden.
  • Nicht-letale Methoden zum Schutz von Vogelarten:
    • Zäune sind mitunder ein geeignetes Instrument, um Prädatoren fernzuhalten und den Bruterfolg zu erhöhen (Kiebitz, Alpenstrandläufer)
    • Spezielle prädatorensichere Nistkästen können ebenso zum Einsatz kommen wie akustische Vergrämung (“Catwatch units”, die von der RSPB eingesetzt werden)
    • Conditional Taste Aversion: Nutzung bitterer Geschmacksstoffe (z.B. in präparierten Eiern), um Füchse den Gelegeverzehr “abzugewöhnen”, war in Laborexperimenten erfolgreich (Macdonald DW and Baker SE (2004) Non-lethal control of fox predation: the potential of generalised aversion. Animal Welfare 13: 77–85).
  • Wichtig sind Maßnahmen zur Lebensraumverbesserung
    • Geeignete Brutplätze
    • Nahrungsangebot (Mangeln an Nahrung kann auch zu größerem Bewegungsradius und damit mehr Prädation führen)
    • Deckung vor Feinden
    • Nutztierhaltung ist ebenfalls problematisch (Tottrampeln von Bodenbrütern, Aufschrecken brütender Vögel, …)
    • Viele andere, zum Teil sehr komplexe und subtile Wirkmechanismen

Moseby K.E., Read J.L. (2006): The efficacy of feral cat, fox and rabbit exclusion fence designs for threatened species protection. Biological Conservation, 127, 429-437

  • Untersuchung zu Effektivität und Kosten verschiedener Zauntypen zum Schutz lokal bedrohter Restbestände bedrohter Beutearten vor Beutegreifern und Kaninchen in Australien.
  • Es zeigte sich, dass ein vergleichsweise einfaches Zaundesign (1,20m hoher, nach außen gebogener Zaun mit einem zusätzlichen 60cm hohen Überhang, sowie einer 30cm Schürze als Untergrabschutz) einen effektiven Schutz darstellte, bei Kosten von etwa 7.000 AUD (ca. 4.700 Euro) pro Kilometer Zaun.

Macdonald D.W., Baker S.E. (2004): Non-lethal control of fox predation: the potential of generalised aversion. Animal Welfare 13: 77–85

  • Füchse wurden mit Hilfe von mit Bitrex (einer geruchlosen, aber bitter schmeckenden Substanz) versetzter Milch erfolgreich darauf konditioniert, keine Milch mehr zu sich zu nehmen. Die Erwartung ist, dass Füchse auf diesem Weg (generalisierte Geschmackskonditionierung) darauf konditioniert werden können, Tiere bestimmter Beutearten nicht mehr zu erbeuten.

*Selonen, V., Banks, P.B., Tobajas, J., Laaksonen, T. (2022): Protecting prey by deceiving predators: A field experiment testing chemical camouflage and conditioned food aversion. Biological Conversation 275, 109749

  • Untersuchung zu zwei nicht-tödlichen Methoden zum Schutz von Bodenbrütern vor Prädatoren: Negative Geschmackskonditionierung und chemische Tarnung
  • Bei der negativen Geschmackskonditionierung werden Eier mit einer bitter schmeckenden Substanz präpariert; für die chemische Tarnung wird der Geruch der Vögel an Stellen verteilt, an denen es keine Beute gibt.
  • Die chemische Tarnung führte zu einer deutlichen Reduktion der Prädation durch Rotfüchse. Negative Geschmackskonditionierung zeigte weniger klare Ergebnisse, zeigte aber dennoch Potential, die Gelegenprädation zu reduzieren.
  • Die chemische Tarnung reduzierte offensichtlich vor allem die Fähigkeit der Füchse, Nester zu finden (sie hatte ansonsten keine Auswirkungen auf die Aktivitäten der Füchse).

*Andrewartha, T., Evans, M., Blencowe, A., Brewer, K., Gordon, I.J., Manning, A.D. (2023): Landscapes of nausea: Successful conditioned taste aversion in a wild red fox population. Conservation Science and Practice, 5(8)

  • Test der Effektivität von aversiver Geschmackskonditionierung.
  • Als Köder wurden Köder aus gebratenem Hühnerfleisch verwendet, die mit Übelkeit verursachendem Levamisol versetzt waren.
  • Nach dem Einsatz dieser präparierten Köder sank die Annahme unpräparierter Kontrollköder signifikant, was die Effektivität der Technik belegt.

*Tobajas, J., Escalzo, E., Mateo, R., Ferreras, P. (2020): Reducing nest predation of ground-nesting birds through conditioned food aversion. Biological Conversation, 242, 108405

  • Unterschuchung zur Effektivität der Conditioned Food Aversion (CFA, aversive Nahrungskonditionierung) als Maßnahme zum Schutz von Rothühnern vor Füchsen.
  • Vorher/nachher-Vergleich, bei dem 1329 künstliche Nester in zwei verschiedenen Habitaten in Zentralspanien ausgebracht wurden. Die künstlichen Eier darin wurden mit dem Fungizid Thiram präpariert.
  • Zusätzlich wurden Wildkameras an den Nestern installiert und 26 Füchse wurden mit Telemetriehalsbändern ausgestattet.
  • Die CFA reduzierte die Prädation der Nester durch Füchse um 26,8% bis 50,1%
  • 78% der Füchse, die mit Thiram präparierte Eier fraßen, unternahmen danach keine Versuche mehr, Nester zu plündern.
  • Die Produktivität der Rothuhnpopulation war in Gebieten, in denen die CFA eingesetzt wurde, um 132-677% höher als in Kontrollgebieten, und die Rothuhndichte in CFA-Gebieten stiegt um 193-292% an (vs. 1.8-99% in Kontrollgebieten), obwohl die Prädation durch andere Tierarten sogar zugenommen hatte.
  • Die CFA erwies sich also als sehr effektiv, um die Prädationsrate zu senken und die Ppopulationsdichte des Rothuhns zu erhöhen.

*Tobajas, J., Roig, J., Afonso-Jordana, I. (2026): Coexistence conservation strategies: Testing conditioned food aversion to protect the endangered Western capercaillie. Journal for Nature Conservation, 89, 127140

  • Untersuchung der Conditioned Food Aversion (CFA, aversive Nahrungskonditionierung) als nicht-tödliche Maßnahme, um die Verluste einer Auerhuhnpopulation durch Füchse und andere Prädatoren zu reduzieren.
  • Dafür wurden künstliche Eier mit dem Fungizid Thiram präpariert.
  • Die Prädation durch Rotfüchse war nach dem Einsatz der CFA um den Faktor 2,35 geringer als in einem Vergleichsgebiet, was die Effektivität der CFA zur Reduktion der Prädationsraten durch Füchse belegt.
  • CFA und andere nicht-letale Methoden sind nach Sicht der Autoren effektive Alternativen zu letalen Maßnahmen und „sind nicht nur sozial und ethisch akzeptiert, sondern fördern auch den effektiveren und nachhaltigeren Schutz bedrohter Tierarten“.

Maßnahmen zur Habitatverbesserung (und Interaktion zwischen Habitatfaktoren und Prädationsrate)

Gottschalk, E. & W. Beeke (2014): How can the drastic decline in the Grey Partridge (Perdix perdix) be stopped? Lessons from ten years of the Grey Partridge Conservation Project in the district of Göttingen. Ber. Vogelschutz 51: 95–116.

  • Es wurde der Effekt von Habitatverbesserungen für Rebhühner evaluiert; Prädatorenkontrolle wurde nicht durchgeführt.
  • Die wichtigste Ursache für den Rückgang der Rebhühner ist die erhöhte Kükensterblichkeit, die sich seit den 1930er Jahren von ca. 50 % auf ca. 70 % erhöht hat. Großräumige Untersuchungen zeigen den Zusammenhang zwischen dem Rückgang der Rebhühner auf Grund der Abnahme der Insekten (Kükennahrung) durch den Gebrauch von Pestiziden, insbesondere von Herbiziden, da die Insektendichte von der Artenzahl und Häufigkeit der in der Kultur vorhandenen Wildpflanzen abhängt.
  • Nach der Anlage von ca. 500 Hektar an Blühstreifen ist der Rebhuhnbestand im Landkreis Göttingen um ca. 1/3 gestiegen. Lokal konnte mit einer hohen Dichte von Blühstreifen (ca. 6% der Ackerfläche einer Gemarkung) der Rebhuhnbestand sehr deutlich angehoben werden (von 4 Hähnen auf 39 innerhalb von drei Jahren). In derselben Zeit ging die Population im restlichen Niedersachsen auf die Hälfte des Ausgangsbestands zurück.

Rohde W., Hartmann R. (wiss. Projektbegleiter) (2009): Niederwildprojekt “Das mögliche Tun”, Rheinland-Pfalz, 2009

  • Untersuchung zu Einflussfaktoren auf die Population von Niederwildarten. Es wurde u.a. der Einfluss von Maßnahmen zur Lebensraumverbesserung (Anlage von 100 zusätzlichen Biotopflächen für Niederwildarten) und Beutegreiferbejagung betrachtet.
  • Es zeigte sich, dass Prädatoren wie Fuchs oder Krähe keinen signifikanten Einfluss auf die Population besaßen. Die Maßnahmen zur Biotopverbesserungen waren dagegen erfolgreich.
  • Selbst der vergleichsweise geringe Zuwachs an Biotopflächen (0,5%) erwies sich bereits effektiv, um die Population z.B. des Feldhasen zu steigern.

Slamecka J., Hell P., Jurcik R. (1997): Brown hare in the west Slovak lowland. Acta Scientarum Natura Brno 31, 1-115

  • Durch bessere Habitatqualität konnte der Feldhasenbestand ohne jeden Eingriff in Fuchspopulationen nahezu verdoppelt werden.

Smith R.K., Jennings N.V., Harris S. (2005): A quantitative analysis of the abundance and demography of European hares Lepus europaeus in relation to habitat type, intensity of agriculture and climate. Mammal Review 35 (1), 1-24

  • Literaturrecherche über 77 Studien aus 12 europäischen Ländern: Veränderungen in der Landwirtschaft sind Ursache für den Rückgang der Feldhasenpopulation. Unter bestimmten Umständen (Ausräumung der Landschaft infolge intensiver Landwirtschaft) können Prädatoren und Witterungsbedingungen ebenfalls einen Einfluss auf die Feldhasenpopulation haben. Letztendlich kann der Feldhasenpopulation jedoch nur durch Habitatverbesserungen geholfen werden.

Schekkerman, H., Teunissen,W., Oosterveld, E. (2009): Mortality of Black-tailed Godwit Limosa limosa and Northern Lapwing Vanellus vanellus chicks in wet grasslands: influence of predation and agriculture. J Ornithol 150, 133–145

  • Untersuchung zum Einfluss von Prädation und Landwirtschaft auf die Mortalität von Kiebitz und Uferschnepfe.
  • Grund für die Abnahme dieser Vogelarten ist die Intensivierung der Landwirtschaft.
  • Prädationsbedingte Verluste gingen vor allem auf das Konto von Graureiher, Wiesel und Bussard, weniger auf jenes von Füchsen. Vor allem zeigte sich aber ein starker Einfluss der Lebensraumstruktur auf das Risiko, Beutegreifern zum Opfer zu fallen: Auf kürzlich abgeernteten oder abgegrasten Feldern war das Risiko, einem Beutegreifer zum Opfer zu fallen, dreimal höher. Auch schlechte körperliche Konstitution, verursacht durch Nahrungsmangel, erhöht das Risiko, erbeutet zu werden.
  • Schutzmaßnahmen sollten sich daher darauf konzentrieren, landwirtschaftliche Praktiken zu reformieren und sicherzustellen, dass genug Deckung und Nahrung für Kiebitz und Uferschnepfe vorhanden sind.

MacDonald, M.A., Bolton, M. (2008): Predation of Lapwing Vanellus vanellus nests on lowland wet grassland in England and Wales: Effects of nest density, habitat and predator abundance. J Ornithol 149, 555–563

  • In sieben Untersuchungsgebieten in England und Wales wurde die Prädation von 1390 Kiebitznestern erhoben.
  • Der beste Prädiktor für die Prädationswahrscheinlichkeit war die Dichte von Kiebitznestern: In ausreichend hoher Dichte können Kiebitze Beutegreifer offensichtlich abschrecken. Managementmaßnahmen könnten sich daher darauf fokussieren, geeignete Lebensräume zu schaffen, in denen Kiebitze ihre Nester nahe beeinander bauen.

Panek, M. (2009): Factors affecting predation of red foxes Vulpes vulpes on brown hares Lepus europaeus during the breeding season in Poland. Wildlife Biology 15, 3

  • Eine wichtige Moderatorvariable für den Einfluss von Beutegreifern und insbesondere dem Fuchs auf den Feldhasen ist der Abwechslungsreichtum der Landschaft: Vor allen dort, wo die Hasendichte bereits gering ist, zeigt sich ein großer Einfluss der Habitatdiversität auf das Prädationsrisiko.
  • In landwirtschaftlich genutzten Gebieten mit geringer Hasendichte sollte man sich daher vor allem darauf konzentrieren, die Habitatdiversität zu erhöhen.

Knauer, F., Küchenhoff, H., Pilz S. (2009): A statistical analysis of the relationship between red fox Vulpes vulpes and its prey species (grey partridge Perdix perdix, brown hare Lepus europaeus and rabbit Oryctolagus cuniculus) in Western Germany from 1958 to 1998

  • Untersuchung des Einflusses der Fuchsprädation auf Feldhase, Rebhuhn und Wildkaninchen auf Basis der Jagdstrecken in acht deutschen Bundesländern über einen Zeitraum von 41 Jahren.
  • Dabei wurden andere Einflussfaktoren – wie etwa das Wetter sowie langfristige Trends in der Populationsentwicklung – berücksichtigt.
  • Langfristige Trends – vermutlich verursacht durch Veränderungen des Lebensraums – haben einen weitaus größeren Einfluss als die Entwicklung der Fuchspopulation. Die Autoren schließen, dass man sich aufgrund der geringen Relevanz der Fuchsprädation auf Maßnahmen zur Lebensraumverbesserung statt auf die Fuchsbejagung konzentrieren soll.

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Die Weisheit der Füchse


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