Populationsdynamik
Inhalt
Zentrale Punkte
- Die Populationsdichte von Füchsen richtet sich danach, wie viele Füchse ein Lebensraum ernähren kann.
- Durch die Fuchsjagd kann die Fuchsdichte in der Fläche nicht reduziert werden, weil Verluste durch einwandernde Tiere sowie steigende Geburtenraten ausgeglichen werden.
- Wird eine Fuchspopulation durch Jagd oder Krankheiten vorübergehend dezimiert, steigt nicht nur der Anteil reproduzierender Fähen, sondern auch die durchschnittliche Wurfgröße deutlich an.
- Es gibt einige Hinweise darauf, dass Jagd die Fuchspopulation infolge steigender Geburtenraten mitunter sogar anwachsen lässt
- Werden Füchse dagegen nicht bejagt, steigt die Populationsdichte nicht an, Füchse bei hohen Dichten meist in sozialen Gruppen zusammenleben, in denen nur die dominante Füchsin Nachwuchs bekommt (“Geburtenbeschränkung statt Massenelend”).
- Soziale und hormonelle Faktoren hindern die anderen Füchsinnen in einer solchen Gruppe daran, selber Nachwuchs zu bekommen.
Einfluss der Bejagung auf die Fuchsdichte allgemein
Hewson R. (1986): Distribution and density of fox breeding dens and the effects of management. Journal of Applied Ecology 23, 531-538.
- Ermittlung der Anzahl von befahrenen Fuchsbauen in unterschiedlichen Arealen, um die Entwicklung der Populationsdichte zu verfolgen.
- Bejagung führte nicht zu einer Verringerung der befahrenen Fuchsbaue im darauffolgenden Frühjahr.
Baker P., Harris S. (2006): Does culling reduce fox (Vulpes vulpes) density in commercial forests in Wales, UK? European Journal of Wildlife Research 53 (2), 99-108.
- Im Rahmen der Studie wurde untersucht, ob mit Hilfe intensiver Fuchsjagd im Winter die Fuchsdichte im darauffolgenden Frühjahr reduziert werden kann. Die Fuchsdichte wurde dabei durch das Zählen von Kothaufen ermittelt.
- Die Verluste wurden vermutlich durch Einwanderung rasch ausgeglichen.
- Insgesamt gab es keinen Hinweis darauf, dass das Töten von Füchsen die Anzahl der Füchse reduziert.
- Um Füchse nachhaltig zu reduzieren, müsste man Jahr für Jahr rund 80% der Herbstpopulation töten
Rushton S.P., Shirley D.F., Macdonald D.W. & Reynolds J.C. (2006): Effects of culling fox populations at the landscape scale: a spatially explicit population modeling approach. Journal of Wildlife Management 70, 1102-1110.
- Die Studie nutzte eine Computersimulation, um den Einfluss verschiedener Techniken auf die Fuchsdichte in einem großen Gebiet (1.600km^2) zu ermitteln. Von vier Methoden (Fuchsjagd mit Hundemeuten, Abschuss in Herbst und Winter, Abschuss am Bau, und Reduktion der Fruchtbarkeit) war die Tötung von Mutter und Welpen am Bau sowie der Abschuss abwandernder Jungfüchse am effektivsten. Allerdings waren auch diese Methoden nur bei extrem hohen Tötungsraten (>80% der Gesamtpopulation!) effektiv, was für größere Gebiete in der Praxis vollkommen unerreichbar ist. Insgesamt erwies sich keine der Methoden als effektiv zur Reduktion der Fuchspopulation, weil einwandernde Füchse rasch die getöteten Tiere ersetzten.
Webbon C.C., Baker P.J., Harris S. (2004): Faecal density counts for monitoring changes in red fox numbers in rural Britain, Journal of Applied Ecology 41, 768-779.
- Analyse der Populationsdichte von Füchsen in mehreren über Großbritannien verteilten Gebieten von je einem Quadratkilometer Größe. Die Ermittlung der Populationsdichte erfolgte durch Zählung von Kothaufen.
- Zwei Erhebungszeiträume: 1999/2000 und 2002/2003. Der zweite Erhebnungszeitraum fällt in die Zeit, in der nach dem Ausbrauch der Maul- und Klauenseuche in GB 2001 keine Jagd mit Hundemeuten zugelassen war.
- In acht von neun Gebieten gab es keine Unterschiede in der Populationsdichte von Füchsen vor und nach Inkrafttreten des Jagdverbots.
Baker P.J., Harris S., Webbon C.C. (2002): Effect of British hunting ban on fox numbers, Nature 419 (6902)
- 2001 durften Füchse wegen des Auftretens der Maul- und Klauenseuche nicht mit Pferden und Hundemeuten gejagt werden. Es wurde untersucht, wie sich dieses Jagdverbot auf die Fuchspopulation auswirkte.
- In den Untersuchungsgebieten hatte das Jagdverbot keinen Einfluss auf die Fuchspopulation
Beyer G. (2004): Wildtiermanagement in deutschen Nationalparken: Eine Herausforderung für den Naturschutz. In: Von der Jagd zur Wildbestandsregulierung: Muss in den Wildbestand im Nationalpark Eifel eingegriffen werden? Symposium am 13. Mai 2004 in Monschau-Imgenbroich, NUA Heft Nr. 15
- Der Aufwand, der zur reduzierenden Beeinflussung einer Tierart betrieben werden muss, steht im Verhältnis zur Größe des einzelnen Tiers. „Dabei gilt in starker Vereinfachung, dass Rotwildpopulationen in der Regel mit jagdlichen Methoden relativ einfach beeinflussbar sind, beim Rehwild der zu betreibende Aufwand bereits zunimmt und bei Tierarten wie Fuchs und Waschbär ein so gigantischer Aufwand betrieben werden muss, dass jagdliche Methoden hier unter realpraktischen Gesichtspunkten weitgehend unpraktikabel sind. In diesem Zusammenhang muss auch gefragt werden, inwieweit es überhaupt möglich ist, mittels jagdlicher Methoden Wildtierpopulationen zu beeinflussen beziehungsweise ob mit jagdlichen Methoden oftmals nicht genau das Gegenteil dessen erreicht wird, was im Rahmen der Zielsetzung eigentlich erreicht werden sollte.”
Macdonald D. (1993): Unter Füchsen – Eine Verhaltensstudie. Knesebeck, München
- “In den meisten Gegenden Europas verkraften Füchse selbst noch einen Abschuss von zwei Dritteln des Herbstbestandes. Pro Quadratkilometer und Jahr erlegen Jäger in Europa 0,7 bis 2,0 Füchse. Und trotz allem sind Füchse weitverbreitet und zahlreich geblieben”.
- Unter normalen jagdlichen Bedingungen (also keine Armeen von Berufsjägern, die sich vollständig dem Ziel der Fuchsvernichtung verschrieben haben) kann Fuchsjagd die Fuchsdichte nicht senken:
- Viele Füchse werden im Winter erlegt, und viele davon sind umhervagabundierende Rüden.
- Ein getöteter territorialer Fuchs hinterlässt ein Revier, das schnell einen neuen Besitzer anzieht.
- Wenn die Frühjahrspopulation dezimiert wird, steigt die Geburtenrate an (gestörtes Sozialsystem und weniger Nahrungskonkurrenz).
- “Was bei den meisten Aktionen gegen Füchse herauskommt, sind allenfalls Fuchspelze – der Versuch, ihre Zahlen zu senken, steigert höchstens die “Produktion”“.
Lozano J., Casanovas J. G., Virgós E. & Zorrilla J. M. (2013): The competitor release effect applied to carnivore species: how red foxes can increase in numbers when persectuted. Animal Biodiversity and Conservation, 36(1): 37–46.
- Numerische Simulation der Populationsdynamik verschiedener Beutegreiferarten (Rotfuchs, Dachs, Baummarder) in Abhängigkeit von der Bejagungsintensität.
- Während Dachs und Baummarder bereits bei mittlerer Bejagungsintensität bis zur Ausrottung dezimiert werden, zeigt sich beim Fuchs, dass die Individuenzahl als Resultat der Bejagung sogar zunehmen kann und selbst extreme Bejagung nicht zur Ausrottung führt.
Beja, P. at al. (2009): Predator abundance in relation to small game management in southern Portugal: conservation implications. European Journal of Wildlife Research, 55(3): 227-238
- Im südlichen Portugal wurden 12 stark bejagte Gebiete mit aktivem „Management“ der Wildtierpopulationen 12 vergleichbaren Gebieten ohne derartigen Managementmaßnahmen gegenübergestellt. Jedes der Gebiete war über 500ha groß.
- Es zeigte sich, dass trotz intensiver Maßnahmen zur Reduktion der Fuchspopulationen die Fuchsdichte in den intensiv bejagten Arealen doppelt so hoch war wie die Fuchsdichte in den Vergleichsgebieten.
- Beja und Kollegen führten dies vor allem darauf zurück, dass die Hege bejagter Arten (z.B. Hasen und Rebhühner) Prädatoren anlockt und die Bejagung von Prädatoren nicht in der Lage ist, diesen Sogeffekt zu kompensieren.
- Als Resultat ist der Prädationsdruck in Gebieten mit aktivem „Game Management“ vermutlich deutlich höher als in Gebieten ohne derartige Maßnahmen!
Kämmerle, J.L., Ritchie, E.G., Storch, I. (2019): Restricted‐area culls and red fox abundance: Are effects a matter of time and place?
- Im Schwarzwald wurden auf einer Gesamtfläche von 18.000ha Reviere mit gezielter Fuchsbejagung mit anderen Revieren verglichen, in denen Füchse nicht gezielt bejagt wurden. Jagdverbände nutzten zudem finanzielle Anreize, um den Abschuss von Füchsen zu intensivieren.
- Andere landschaftsspezifische Variablen (Distanz zu Straßen und Siedlungsgebieten, topographische Beschaffenheit des Terrains, etc.) wurden ebenfalls erfasst, um die Vergleichbarkeit der Gebiete sicherzustellen.
- Die Häufigkeit von Füchsen wurde mit Wildkameras und der Erfassung von Kotfunden ermittelt.
- In Gebieten mit gezielter Fuchsbejagung und Anreizen für die Fuchsjagd wurden deutlich mehr Füchse getötet. Dies wirkte sich jedoch nur vorübergehend auf die Fuchspopulation aus: Zwar gab es im in diesen stark bejagten Gebieten im Winter tatsächlich weniger Füchse, bis zum nächsten Herbst waren die Verluste jedoch vollständig kompensiert.
Newsome T.M., Van Eeden L.M., Lazenby B., Dickman C.R. (2017): Does culling work? Australasian Science 38(1):28-30
- In New South Wales (Australien) wurde die Fuchsdichte vor und nach einer gezielten Tötungsaktion mit Hilfe von nächtlichen Sichtungen im Licht von Taschenlampen („Spotlight counts“).
- In 12 Nächten wurden innerhalb von 66 Stunden Bejagung 47 Füchse getötet. Die Populationsdichte konnte dadurch nur wenig reduziert werden (von 4,18 auf 3,26 Individuen pro Quadratkilometer).
- Die Kosten dafür beliefen sich auf rund 1.500 Australische Dollar; die Aktion erforderte es zudem, rund 500 Kilometer in Allradfahrzeugen zurückzulegen.
- Die Autoren gehen davon aus, dass die Fuchsdichte schon wenig später durch Einwanderung wieder das ursprüngliche Niveau erreicht hat.
González Casanovas, J., Barrull, J., Mate, I., Zorrilla, J.M. (2012): Shaping carnivore communities by predator control: competitor release revisited. Ecological Research 27(3)
- Mit Hilfe einer mathematischen Simulation wurde analysiert, wie sich unterschiedliche Bejagungsintensitäten auf die Populationsdichten von Fuchs, Steinmarder und Dachs auswirken. Die Simulationsergebnisse wurden zudem Populationsdaten aus Gebieten mit unterschiedlich intensiver Prädatorenbejagung gegenübergestellt.
- Es zeigte sich, dass die Fuchspopulation selbst bei hoher Bejagungsintensität stabil blieb oder sogar anstiegt, während die Populationen von Dachs und Steinmarder zurückgingen, in einigen Fällen sogar bis zur Ausrottung.
- Beim Vergleich von Daten aus Gebieten mit gezielter Prädatorenbejagung und Gebieten ohne spezifische Management-Maßnahmen zeigte sich dementsprechend, dass die Fuchsbejagung keinen Einfluss auf die Fuchsdichte besaß. Die höchsten Fuchsdichten wurden ausgerechnet in zwei Gebieten mit intensiver Fuchsbejagung festgestellt.
*Jiguet, F. (2020): The Fox and the Crow. A need to update pest control strategies. Biological Conservation 248
- Review einer Reihe von Studien zur Kontrolle von Fuchs- und Krähenpopulationen in Europa sowie der Rolle dieser Tiere im Ökosystem.
- Fazit ist, dass Bejagung nicht in der Lage ist, Fuchspopulationen zu reduzieren, und dass sie ökologisch wie epidemiologisch kontraproduktiv ist (z.B. im Hinblick auf die Verbreitung des Fuchsbandwurms)
- Der Autor plädiert dafür, die Frage nach der Prädatorenbejagung zukünftig auf Basis wissenschaftlicher Kriterien zu evaluieren und europaweite Regularien dafür zu schaffen.
Lozano, J., González Casanovas, J., Virgós, E., Zorilla, J.M. (2013): The competitor release effect applied to carnivore species: How red foxes can increase in numbers when persecuted. Animal Biodiversity and Conservation 36(1)
- In einer Computersimulation wurde die Reaktion verschiedener Prädatorenspezies auf Bejagung untersucht. Es zeigte sich, dass Fuchspopulationen aufgrund steigender Geburtenraten unter Bejagung sogar zunehmen können.
Barrull, J., Mate, I., Salicrú, M., Palet, J. (2014): Differential response of a carnivore community to predator control: A spatio-temporal observational study. Italian Journal of Zoology, 81:2, 271-279
- In der Region Serra de Montsant (Nordostspanien) wurde über drei Jahre hinweg die Populationsdichten von Füchsen, Steinmardern und Dachsen erhoben. Dabei wurden Gegenden mit starker Prädatorenbejagung mit Gebieten verglichen, in denen Beutegreifer nicht bejagt wurden.
- Während die Dichte von Steinmarder und Dachs in den unbejagten Gebieten höher war, waren Füchse in bejagten Gebieten sogar etwas häufiger als in unbejagten Arealen(!). Als die Bejagung ausgesetzt wurde, nahmen Steinmarder- und Dachspopulation deutlich zu, die Fuchspopulation aber leicht ab (um 10%).
- Die Autoren begründen dies damit, dass Fuchspopulationen einerseits die Verluste durch die Jagd schnell kompensieren können, und sie andererseits zudem vom Rückgang der anderen Beutegreifer (die Nahrungskonkurrenten sind) profitieren.
Goszczyński, J., Misiorowska, M., Juszko, S. (2008): Changes in the density and spatial distribution of red fox dens and cub numbers in central Poland following rabies vaccination. Acta Theriologica 53(2):121-127
- In einem Gebiet in Mittelpolen wurde von 1980 bis 2006 die Größe der Fuchspopulation mit Hilfe von verschiedenen Methoden erhoben: a.) Anzahl aufgefundener Spuren im Schnee, b.) Geheckzählungen, und c.) durch gezieltes Aufschrecken von Wildtieren (ähnlich einer Treibjagd, bei der die Tiere gezählt und nicht erschossen werden).
- Insgesamt verdoppelte die Fuchspopulation im Verlauf der Beobachtungsjahre etwa (je nach Erhebungsmethode lag der Anstieg zwischen 66 und 110 Prozent). Als Hauptgrund dafür werden die Tollwutimpfungen ab 1993 vermutet. Zugleich zeigte sich aber, dass die mittlere Anzahl an Welpen pro Bau sank (um 11%).
- Gleichzeitig stiegt die Anzahl erlegter Füchse im Untersuchungsgebiet von rund 10 Tieren pro Jahr zu Beginn der 1990er-Jahre auf mehr als 60 in den 2000ern.
- Die Fuchspopulation im Untersuchungsgebiet wurde zu Beginn der Jagdsaison zwischen 2000 und 2005 auf 80 Individuen geschätzt. Obwohl davon im Durchschnitt 64 erlegt wurden, bliebt die Fuchspopulation im Folgejahr konstant oder stieg sogar an.
- Die Verluste wurden vermutlich durch vagabundierende, revierlose Füchse aus angrenzenden Gebieten ausgeglichen.
Kaphegyi T.A. (2002): Untersuchungen zum Sozialverhalten des Rotfuchses (Vulpes vulpes L.), Dissertation, Forstwissenschaftliche Fakultät der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg i. Brsg, Freiburg im Breisgau, 2002
- “Helferfähen”: S. 79: “Festgestellt wurde, dass subdominante Fähen, die selber nicht zur Reproduktion kommen, bei der Aufzucht der Jungen der dominanten Fähe helfen. Angenommen wird, dass die “Helfer” sowohl die eigene Fitness als auch die ihrer Eltern erhöhen (EMLEN 1978; MACDONALD 1980; MACDONALD & MOEHLMAN 1982). Territorialität vorausgesetzt, hätten die “Helfer”-Fähen den unmittelbaren Vorteil eines gesicherten, geeigneten Areals, das ihre Überlebenswahrscheinlichkeit erhöht und das sie eventuell von den Eltern übernehmen können”.
- S. 83: Tendenziell ist bei hoher Populationsdichte eine geringere Abwanderung festzustellen, jedoch widersprüchliche Ergebnisse im Hinblick darauf, ob eher Fähen oder eher Rüden abwandern.
- S. 84: Territorialität wird überbewertet: “Es deutet sich an, dass der Stellenwert von Territorialität als Mechanismus zur Aufteilung von Ressourcen innerhalb von Fuchspopulationen überbewertet wurde. Die von uns untersuchten Füchse investieren offensichtlich nicht in die Verteidigung von Territorien. Die adulten Tiere sind ortstreu, wobei sie Ressourcen gemeinsam mit anderen Füchsen nutzen.” (im Untersuchungsgebiet geringer Jagddruck, relativ hohe Bestandsdichte)
- S. 2: “Vor allem im Zusammenhang mit der Tollwutbekämpfung zeigte sich jedoch, dass es sogar in Verbindung mit Baubegasungen mittels jagdlicher Reduktionsmaßnahmen nur bei wenigen Dezimierungskampagnen gelang, die Populationsdichte unter den Schwellenwert abzusenken, unter dem die Seuche zum Erliegen kommt (DEBBIE 1991). Die Bemühungen scheiterten an der Reproduktionsleistung und der hohen Anpassungsfähigkeit der Füchse an verschiedenste Umweltbedingungen (WANDELER ET AL. 1974, 1988; BÖGEL ET AL. 1974).”
- S. 3: “Sowohl zur Seuchenbekämpfung als auch als Unterstützung von in ihrem Bestand gefährdeten Beutetieren des Fuchses ist eine Reduktion nur dann wirkungsvoll, wenn großflächig eine Absenkung der Bestandsdichte gelingt, die nicht aufgrund von Zuwanderung oder erhöhter Reproduktionsleistung durch die Füchse wieder ausgeglichen werden kann. Reduktionsversuche auf großer Fläche zeigten, dass dieses Ziel allein mit den heute zur Verfügung stehenden jagdlichen Mitteln kaum zu erreichen ist. Aufgrund dieser mangelnden Effizienz sollten Forderungen nach der Reduktion des Fuchses kritisch betrachtet werden (KAPHEGYI & BREITENMOSER 1995; KAPHEGYI 1998). Deutlich wird, dass einfache Ansätze wie jagdliche Eingriffe den heutigen Anforderungen an ein Management von Fuchspopulationen nicht gerecht werden. Es wäre zielführender, die der Populationsdynamik dieser Spezies zugrundeliegenden Zusammenhänge zu erkennen und aufbauend auf diesen Erkenntnissen entsprechende Managementmaßnahmen zu konzipieren (Z.B. BREITENMOSER ET AL. 1995; KAPHEGYI 1995).”
*Kistler, C., Gloor, S., Hegglin, D., Bontadina, F. (2023): Das Management des Fuchses sollte auf wissenschaftlichen Grundlagen anstatt auf Annahmen basieren. In: Voigt, C.C. (eds) Evidenzbasiertes Wildtiermanagement. Springer Spektrum, Berlin, Heidelberg
- Es gibt zunehmend Belege, dass die vorherrschenden Methoden der Fuchsjagd – trotz großem Aufwand durch die Jägerschaft – weder die Bestände noch die verursachten Schäden wirksam und nachhaltig reduzieren.
- „Die Jagd auf Füchse basiert aktuell nicht auf wissenschaftlichen Grundlagen, denn es fehlen Bestandszahlen sowie klar definierte und messbare Ziele.“
- „Zudem werfen verschiedene Jagdmethoden wie die Baujagd mit Hunden oder der Einsatz von Schrot grundsätzliche ethische und tierschützerische Fragen auf.“
- Zum aktuellen Fuchsmanagement in der Schweiz: „Jährlich werden also unter grossem jagdlichen Aufwand Tausende von Füchsen geschossen, ohne dass die Populationen bzw. die Auswirkungen der Prädation in relevanter und effektiver Weise reduziert werden.“
- Selbst mit der Tötung von Welpen am Bau „ist nicht garantiert, dass der Fuchsbestand auf ein tiefes Niveau reduziert werden kann. Das legen die Erfahrungen aus der Tollwutepidemie nahe. Obwohl man damals jahrelang Vergasungsaktionen an Jungenbauen durchführte, war es nicht gelungen, die Fuchsbestände nachhaltig zu reduzieren und die Tollwut zu eliminieren“
- Daher: Forderung nach evidenzbasiertem Wildtiermanagement, das ökologische, ökonomische und ethische Kriterien beinhaltet und neben Abschüssen auch nicht-tödliche Massnahmen einbezieht.
*Delcourt, J., Brochier, B., Delvaux, D., Vangeluwe, D., Poncin, P. (2022): Fox Vulpes vulpes population trends in Western Europe during and after the eradication of rabies. Mammal Review 52, 343-359
- Literatur-Review über die Entwicklung der Fuchspopulation während und nach der Ausrottung der Tollwut in Westeuropa
- Jagstrecken als Anhaltspunkt für die Populationsdichte sind zwar problematisch (weil abhängig von Jagdintensität und anderen Faktoren), aber korreliert hinreichend hoch mit anderen Daten (z.B. Verkehrsopfern in der Schweiz), um nützlich zu sein.
- Anhand der Jagdstrecken lässt sich ein Populationsanstieg nach der Ausrottung der Tollwut ableiten. Die Impfung war jedoch nicht ursächlich für den Populationsanstieg, weil in tollwutfreien Gebieten (z.B. Großbritannien) ebenfalls ein solcher Anstieg zu verzeichnen war. Grund dafür war vielmehr die Umgestaltung der Lebensräume durch Menschen ab den 1960er Jahren; die Tollwut verzögerte das Wachstum lediglich.
- Ländliche Fuchspopulationen leben derzeit vermutlich an der Carrying Capacity des Lebensraums; Jagd spielt für die Fuchsdichte dagegen keine Rolle.
- In einigen Ländern (darunter Deutschland) sinken die Jagdstrecken in den letzten 20 Jahren wieder etwas; die Gründe dafür sind unklar. Denkbar wären z.B. Staupe oder Räude als limitierende Faktoren, gesunkene Jagdintensität, oder sinkende Kapazität der Lebensräume, aber das ist noch nicht geklärt.
Soziale Regulationsmechanismen
Hartley F.G., Follett B.K., Harris S., Hirst D., McNeilly A.S. (1994): The endocrinology of gestation failure in foxes (Vulpes vulpes). J Reprod Fertil, 100(2):341-6.
- Studien sowohl an wild als auch in Gefangenschaft lebenden Füchsen haben gezeigt, dass in einer Gruppen von Füchsen normalerweise nur die dominante Fähe Nachwuchs bekommt. Dies konnte auch in dieser Studie an Gehegefüchsen belegt werden.
- Hierbei wurde festgestellt, dass nicht reproduzierende Fähen deutlich niedrigere Progesteron- und Prolactinkonzentrationen, aber höhere Cortisolkonzentrationen im Blut aufwiesen. Dies wird auf sozialen Stress bei den subdominanten Fähen zurückgeführt. Hierin scheint eine wichtige Komponente der sozialen Geburtenregelung bei Füchsen zu bestehen.
- Untersuchung der Fuchspopulation in einem Dünenareal in Nordholland, das seit vielen Jahren jagdfrei ist.
- Die Füchsinnen in diesem Gebiet gebaren im Durschnitt weniger als 3 Welpen pro Wurf.
- Stadtfüchse (die ja i.d.R. nicht bejagt werden) leben in Familiengruppen zusammen. Während Füchse im Offenland paarweise leben, besteht eine Stadtfuchsfamilie aus drei bis sechs Füchsen. An der Reproduktion nehmen die dominanten Tiere teil und die Subdominanten werden geduldet, wenn das Streifgebiet für alle genügend Ressourcen bietet.
Iossa G., Soulsbury C.D., Baker P.J., Edwards, K.J., Harris, S. (2009): Behavioral changes associated with a population density decline in the facultatively social red fox. Behavioral Ecology, 20 (2), 385-395.
- Analyse von Paarungsverhalten und Gruppenbildung nach einem natürlich bedingten Abfall der Populationsdichte einer lokalen Fuchspopulation.
- Sowohl vor als auch nach dem Rückgang der Populationsdichte lebten die Tiere in Gruppen zusammen.
- Bei hohen Dichten war das Geschlechterverhältnis in den sozialen Gruppen ausgeglichen (!), und es wurden sowohl verwandte als auch familienfremde Tiere in den Gruppenstrukturen festgestellt (!!)
- Bei niedrigeren Dichten überwogen in den Gruppen weibliche Tiere, wobei es eine einzelne dominante Fähe gab.
- Die Gruppengröße bei hohen Dichten war größer
- Die Studie wird oft von Jägern zitiert, weil sie zu dem Ergebnis kommt, dass Füchse sich zwar auf hohem Niveau selber regulieren, die Jagd aber durchaus einen Einfluss auf Fuchsdichten haben kann. Es wurde die Reproduktion von Füchsen in drei Regionen mit unterschiedlicher Bejagungsintensität untersucht.
- Unterstützt dennoch die Annahme, dass bei hoher Fuchsdichte die Reproduktionsrate sinkt:
- In Region mit hoher Fuchsdichte größerer Anteil nicht reproduzierender Fähen (19% statt 0% der geschossenen Füchsinnen haben nie empfangen – “placental scars”). Hinzu kommt, dass die “in utero”-Verluste bei höher Fuchsdichte erheblich höher sind (32% statt 10,6% bzw. 17,6%).
- In Region mit höherer Fuchsdichte geringere Welpenanzahl pro Wurf (4,49 vs. 6,38 und 6,24). Es geht aber noch drastischer: 3,8 bis 4,0 (Harris & Smith, 1987); 3,0 (Englund, 1970); 3,1 (Zapata 1997)
- Die Studie wurde finanziert von der Countryside Alliance (britischer Verband, der sich u.a. für die Wiedereinführung der klassischen Fuchsjagd mit Hundemeuten einsetzen) und vom Game Conservacy Trust (der Jägerschaft nahestehende Forschungseinrichtung) durchgeführt.
- “Der geringe Sommerbesatz im Nationalpark Bayerischer Wald kann auf die niedrigen beobachteten Geheckgrößen (1,7 Welpen pro Wurf) zurückgeführt werden. Die Ursache liegt in der Sozialstruktur der hiesigen Fuchspopulation. Nach den vorliegenden Ergebnissen handelt es sich um eine stabile Population, die keinem menschlichen Jagddruck unterliegt (…).”
- “STUBBE stellte Unterschiede in der Reproduktivität zwischen Waldgebieten mit niedriger Mortalität und Wald-Feld-Mischgebieten bzw. reinen Feldgebieten mit hoher Mortalität fest. Im Wald gab es signifikant weniger Welpen am Bau und einen höheren Anteil nicht reproduzierender Fähen. Zudem gelang der Nachweis von größeren und stabilen sozialen Strukturen in Waldgebieten. Nur wenig Fähen reproduzieren erfolgreich.”
- “Grundsätzlich produzieren wenig bejagte Fuchspopulationen weniger Nachkommen und ihr Durchschnittsalter ist höher. Die vorliegenden Ergebnisse bestätigen sowohl die geringen Populationszahlen in Waldgebieten als auch eine geringere Reproduktion. Die Bestandszahlen im angrenzenden Landkreis mit einem größeren Wiesenanteil waren wesentlich höher als im Nationalparkgebiet.“
Goretzki J., Tottewitz F. Sparing H. (2003): Bemerkenswerte Ergebnisse der Wildmarkierung (Interesting results of gamemarking), BFH-Nachrichten
- Ergebnisse zur Altersstruktur von Fuchspopulationen in Arealen mit hoher vs. geringer Mortalität: “Bezüglich des Lebensalters von Füchsen in freier Wildbahn konnten auf Rügen ebenfalls interessante Ergebnisse erzielt werden. Fuchspopulationen unter Tollwuteinfluss und intensiver Bejagung bestehen in der Regel zu 2/3 aus Tieren im Alter von weniger als einem Jahr. Füchse im Alter von mehr als drei Jahren sind in diesen Populationen als Seltenheit zu betrachten. Deutlich anders dagegen sieht die Alterszusammensetzung tollwutfreier Fuchspopulationen mit geringerem Jagddruck aus. Für die Insel Rügen konnten durch Rückmeldungen Füchse bis zu einem Lebensalter von 12 Jahren zweifelsfrei nachgewiesen werden.”
- Beobachtungen im Schweizer Jura: Füchse sind in hierarchische Gruppen organisiert (Alphapärchen + subordinate adulte Tiere, typischerweise Fähen). Die Paarung ist hier nicht auf das dominante Paar beschränkt, aber trotzdem gibt es nur einen Wurf pro Fuchsfamilie.
- Grund dafür sind in-utero-Verluste bei den subdominanten Füchsinnen. Diese spielen offensichtlich bei der sozialen Bestandsregulierung von Fuchspopulationen eine wichtige Rolle.
Baker P.J., Funk S.M., Harris S., White P.C. (2000): Flexible spatial organization of urban foxes, Vulpes vulpes, before and during an outbreak of sarcoptic mange, Animal Behavior 59 (1).
- Studie zur sozialen und räumlichen Organisation einer Fuchspopulation vor und nach dem Ausbruch der Räude
- Es zeigte sich dasselbe Phänomen wie durch Verluste infolge starker Bejagung: Die Größe von Fuchsgruppen sank, überlebende Tiere dehnten ihre Streifgebiete aus.
*Börner, K. (2014): Untersuchungen zur Raumnutzung des Rotfuchses, Vulpes vulpes (L., 1758), in verschieden anthropogen beeinflussten Lebensräumen Berlins und Brandenburgs. Dissertation, Berlin.
- Dissertation über Fuchspopulationen in Berlin und Brandenburg (Populationsdynamik, Nahrungsquellen, Krankheitsgeschehen)
- In Berlin beteiligten sich 83,5% der erfassten Fähen an der Reproduktion. Diese Werte liegen unterhalb derer, die für verschiedene Offenlandschaften festgestellt wurden: Börner zitiert zum Vergleich Werte von Ansorge aus der Oberlausitz (97%) und Ulbrich aus dem Bezirk Dresden (96,1%).
- Der Grund für die niedrigere Reproduktionsbeteiligung liegt in Berlin nicht an Nahrungsknappheit (hier liegt vielmehr ein sehr reichliches Nahrungsangebot vor), sondern an sozialen Faktoren. Füchse leben in Berlin oft in Sozialverbänden mit Helferfähen, die nicht selber reproduzieren. Die Größe der erfassten Familienverbände wies jedoch maximal eine Größe von vier adulten Tieren auf.
- In England (Börner zitiert Harris sowie Voigt & Macdonald) wurden bei hohen Populationsdichten im urbanen Raum sogar Anteile reproduzierender Fähen von lediglich 40-50% erfasst.
- „Es greifen populationsinterne Regulationsmechanismen, die die Ranz rangniederer Fähen unterdrücken oder zum späteren Abort von Föten führen (POHLMEYER 2007). Interne populationsregulatorische Mechanismen scheinen demnach bei höheren Populationsdichten, wie sie für urbane Lebensräume typisch sind, aufzutreten.“
- In dieser Studie wurden tatsächlich relativ hohe pränatale Verluste festgestellt (15,8% präimplantativ, 20,8% postimplantativ; gegenüber Werten von 9 bis 13,2% bzw. 3,5% bis 15% aus anderen Studien).
- Die Lebenserwartung von Berliner Stadtfüchsen im Rahmen der Untersuchungen belief sich auf 20 Monate (Rüden) bzw. 21 Monate (Fähen). In suburbanen Gebieten wurden schon durschnittliche Lebenserwartungen von 5 Jahren festgestellt (Börner zitiert hier Doncaster & Macdonald); im Stadtzentrum (mit hohem Verkehrsaufkommen und anderen Gefahren) werden die Tiere jedoch im Schnitt nur etwa 12 Monate alt.
- Hinweis: Tabelle 4 listet Populationsdichten von Füchsen in Europa aus unterschiedlichen Studien auf.
Pagh, S., Chriél, M., Madsen, A. B., Jensen, T-L. W., Elmeros, M., Asferg, T., & Hansen, M. S. (2018): Increased reproductive output of Danish red fox females following an outbreak of canine distemper. Canid Biology & Conservation, 21(3), 12-20
- In Dänemark fiel 2012 ein erheblicher Teil der Fuchspopulation einer Staupeepidemie zum Opfer fiel. Es wurde untersucht, wie sich dieser Populationseinbruch auf die Fortpflanzungsbiologie der Füchse auswirkte.
- Vor dem Staupeausbruch bekam nur ein kleiner Anteil der Jährlingsfähen Nachwuchs: Füchsinnen in ihrem ersten Lebensjahr machten gerade einmal sechs Prozent der reproduzierenden Weibchen aus. Nach der Epidemie lag ihr Anteil dagegen bei 61 Prozent. Hatten die allermeisten jungen Fähen sich zuvor also nicht fortgepflanzt, beteiligten sie sich nun rege am Reproduktionsgeschehen.
- Doch damit nicht genug: Während die mittlere Wurfgröße vor dem Einbruch der Population noch bei 5,6 Welpen gelegen hatte, schnellte sie danach auf sage und schreibe 8,2 in die Höhe. Die Vermehrungsrate der Füchse war also beträchtlich angestiegen.
- Die Studie zeigt, dass mit sinkender Populationsdichte sich mehr Fähen am Reproduktionsgeschehen beteiligen und zudem die Wurfgröße zunimmt. Epidemien oder auch die Jagd auf Füchse führen also dazu, dass die Reproduktionsrate ansteigt und die Verluste so wieder ausgeglichen werden.
- Die Autoren schließen, dass die Fuchsjagd in Dänemark keine langfristigen Auswirkungen auf die Fuchspopulation hat.
*Jackowiak, M., Jasińska K.D., Gryz, J., Guzowska, E., Szyc, K., Krauze-Gryz, D. (2024): Is it beneficial to be a city dweller? Impacts of urban conditions on red fox reproduction. Journal of Zoology 325(2):155-165
- Vergleich einer Stadtfuchspopulation (Warschau) mit einer Fuchspopulation in einem Wald/Feld-Mosaik in Zentralpolen hinsichtlich verschiedener reproduktiver Parameter
- In der Stadtfuchspopulation waren soziale Gruppen gängig (im Mittel 2,37 Individuen pro Gruppe); in der Landfuchspopulation wurden ausschließlich Paare adulter Füchse beobachtet.
- Die Paarungszeit setzte bei Stadtfüchsen 2 Wochen früher ein; die Wurfgrößen waren mit 3,98 gegenüber 3,48 Welpen größer als bei den Landfüchsen.
- Die Autoren führen die höhere Reproduktionsrate bei Stadtfüchsen auf bessere Nahrungsgrundlagen zurück
*Cavallini, P., Santini, S. (1996): Reproduction of the red fox Vulpes vulpes in Central Italy. Annales Zoologici Fennici 33(2):267-274
- Post-mortem-Analyse der Reproduktion (Ovulationsrate, Fruchtbarkeit, Anteil nicht reproduzierender Fähen, pränatale Mortalität) einer Fuchspopulation in der Provinz Pisa (Zentralitalien).
- Der Anteil nicht reproduzierender Fähen lag bei 20%; in-utero Verluste waren häufig, insbesondere bei Jährlingsfähen (43,5% der Jährlingsfähen verloren mindestens einen Fötus, aber nur 16,7% der adulten Tiere).
- Pro erlegter Fähe im Mittel 3,88 lebende Embryos
- Die Menge an Körperfett korrelierte nicht mit der Reproduktionsleistung der Tiere.
- Insgesamt war die Reproduktionsleistung dieser Fuchspopulation vergleichsweise gering, trotz günstiger Lebensraumbedingungen.
- Folgerung der Autoren: Die Reproduktionsleistung der Füchse wurde nicht durch die Nahrungsverfügbarkeit beeinflusst, sondern durch soziale Modulation.
*Ruette, S., Albaret, M. (2011): Reproduction of the red fox Vulpes vulpes in western France: Does staining improve estimation of litter size from placental scar counts? European Journal of Wildlife Research 57(3):555-564
- Post-mortem-Analyse von 358 Fähen aus drei Studiengebieten in Frankreich über 3 Jahre
- Im Mittel 4,66 Embryos pro Fähe, wobei die Zahl bei adulter Fähen (im Mittel 5,53) deutlich höher war als bei Jährlingsfähen (3,62)
- 19,8% der Jährlingsfähen reproduzierten nicht (bei adulten Fähen waren es nur 11,8%)
- Trotz relativ intensiver Bejagung war die Fuchspopulation in allen drei Gebieten konstant; die Bejagungsintensität genügte also nicht dafür, die Fuchsdichte zu reduzieren, obwohl die Fuchspopulation hier im Vergleich nicht einmal besonders „produktiv“ war.
- Tabelle 3 fasst die Ergebnisse verschiedener europäischer Studien zu Reproduktionsparametern (Plazentanarben, Anzahl Embryonen, Anzahl Welpen pro Bau, Anteil nicht reproduzierender Fähen) zusammen
*Lindström, E.R. (1992): Diet and Demographics of the Red Fox (vulpes Vulpes) in Relation to Population Density — The Sarcoptic Mange Event in Scandinavia. In book: Wildlife 2001: Populations
- Studie aus Schweden. Mäusezyklen (3-4 Jahre) beeinflussen dort viele Aspekte füchsischen Verhaltens (Ernährung, Ovulationsrate, durchschnittliche Wurfgröße, Anteil an Jährlingen). Als ein Ausbruch von Räude die Fuchspopulation stark dezimierte, war das eine Gelegenheit, die Auswirkung der Populationsdichte auf diese Zusammenhänge zu untersuchen.
- Sowohl die Ovulationsrate als auch der Anteil an subadulten Tieren an der Gesamtpopulation waren negativ mit der Populationsdichte korreliert: Ein deutlicher Hinweis auf höhere Reproduktionsraten bei niedrigerer Populationsdichte.
*Lindström, E.R. (2006): Food limitation and social regulation in red fox population. Ecography 12(1):70 – 79
- Evaluation eines Modells, das die Reaktion von Fuchspopulationen auf fluktuierende Mäusedichten voraussagt. Die folgenden Kernaussagen des Modells wurden empirisch bestätigt:
- Wenn Mäusedichten gering sind, ist Nahrungsverfügbarkeit der primär limitierende Faktor für die Fuchsdichte
- Bei hoher Mäusedichte wird die Fuchspopulation durch dichteabhängige Faktoren begrenzt (insbesondere Familiengruppen mit nicht reproduzierenden Fähen)